Mallorca Trainingscamp – Tag 8 – Inselumrundung

Lesezeit: 6 Minuten

oder »6 Mann – 1 Plan«


Schon im Trainingscamp 2010 wurde der Wunsch geäußert, mal die Insel zu umrunden, aber verworfen. In diesem Jahr wollten wir ernst machen und dieses Vorhaben in die Tat umsetzen.

Ohne ausgiebige Planung war das nicht möglich. Viele Parameter waren im Vorfeld zu besprechen und zu klären. Wir wollten unbedingt verhindern, dass es während der Fahrt zu Unstimmigkeiten kommt. Die Runde würde hart genug werden und es gab auf der Strecke keine Zeit für Diskussionen.

Herbert, Timo, Heiko, Michael, Holger und ich trafen uns am Montag um 20 Uhr in der Suite von Heiko und Michael zur Teambesprechung. Wir planten die Strecke genau und orientierten uns dabei an der m312 Strecke von Pino-Tours. Wir wollten aber im Uhrzeigersinn fahren, sodass die Berge am Schluss auf uns warten würden. Da der Wind, wie in den letzten Tagen schon von Nord-Ost kommen sollte, wäre das auch die bessere Lösung für den Rückweg: Wind in den Bergen ist alle mal erträglicher als auf der langen Süd-Nord-Strecke von Palma nach Artà. Auch legten wir fest, zu welchem Zeitpunkt wir, welche Orte passiert haben müssen. Das war insofern wichtig, da wir maximal 13,5 Stunden Tageslicht haben werden und mit Licht fahren keine Option darstellte.

Ralph-Udo bot sich an, uns mit einem Mietwagen zu begleiten. Das war ein, wie sich im Nachhinein herausstellte, hervorragender Vorschlag. So mussten wir unsere Verpflegung nicht komplett am Mann tragen und konnten auch Pannen-Material wie Schläuche, Mäntel und Rennkompressor im Fahrzeug deponieren. Wir sprachen mit Ralph-Udo die Checkpoints ab und gingen dann unruhig aber voller Vorfreude zu Bett.

Der Wecker klingelte pünktlich um 5:30 Uhr. 6:00 Uhr Frühstück. 6:30 Uhr fertig machen. 7:00 Uhr Abfahrt. Um Punkt 7 Uhr machten wir uns, nicht ohne die notorischen Startfotos geschossen zu haben, auf Richtung Osten in den erwachenden Tag. Es waren noch keine Radfahrer und sehr wenige Autos unterwegs und so konnten wir Port Alcudia schnell hinter uns lassen. Die Wechsel vorne, welche wir wie abgesprochen bei jedem Kilometerstein ausführten, klappten hervorragend. Ich freute mich über das klasse Team und das tolle Gruppengefühl. Schnell stellten wir fest, das es sicher schlauer gewesen wäre, die Armlinge doch anzuziehen, denn der Garmin Thermometer zeigte bescheidene 7°C. Auf den Wiesen war Morgentau und der Atem dampften aus unseren Lungen, jedoch kam die Sonne nun hinter dem Mittelmeer hervor gekrochen und die Temperaturen stiegen im Minutentakt.

Hinter Artà bogen wir rechts ab und es rollte noch besser. Ein wenig Rückenwind gemischt mit negativer Steigung brachte uns flott voran. Die Gruppe harmonierte hervorragend und es wurde sauber, weiter jeden Kilometer gewechselt. Ralph-Udo war ständig in unserer Nähe, hinter uns und wurde auf der großen Verbindungsstraße nach Manacor sogar von der Polizei ermahnt, da er mit seiner Fahrweise den fließenden Verkehr blockieren würde. Wir bekamen von allem dem nichts mit und sehnten uns nur noch unserem ersten geplanten Stop bei Kilometermarkte 97 entgegen.

Aber bis dorthin galt es noch diverse Bettenburgen rund um Porto Cristo zu passieren. Eine Ecke von Mallorca, die wirklich nicht zum träumen einlädt, wohingegen mir die Ortsdurchfahrt von Port Christo dann doch wieder recht gut gefallen hat. Zum ersten mal wurde jetzt das Feld etwas unruhig und alle fieberten der nahenden Pause in Ses Salines entgegen. Es gab Käsestullen und frisches Wasser+Iso für die Getränkeflaschen aus dem Begleitfahrzeug von Ralph-Udo, der vorbildlich an der mit uns besprochenen Stelle wartete.

Nach der Erfrischung ging es weiter über karge, relativ flache Landschaften gen S’Arenal und Palma. Ich war froh, dort Unten keinen Radurlaub gebucht zu haben. Kein schönes Terrain für Ausfahrten. Landschaftlich monoton und wenig abwechslungsreich.

Plötzlich rief Herbert »Platten« und wir stoppten mitten im Nirgendwo. Gut das Ralph-Udo direkt hinter uns fuhr und wir für solche Pannen bestens gerüstet waren. So dauerte der Schlauchwechsel nur wenige Minuten und das Aufpumpen war dank Stand-Rennkompressor ein Kinderpiel.

Jetzt galt es, den Moloch Sektor S’Arenal und Palma möglichst schnell und unbeschadet zu passieren. Ich war eigentlich dankbar für die Abwechslung: Gucken, Navigieren, Anfahren und Stoppen, aber meine Kettenbrüder konnten dem nichts abgewinnen. Allerdings war auch ich froh, als es hinter Palmanova wieder in die Berge, zu unserem nächsten Pausenpunkt nach Calvia ging.

Wieder sehnten wir uns nach dem Ort und fantasierten schon wieder über Käsebrote und Coca-Cola. Minütlich wurde gefragt, wie weit es noch bis Calvia sei, denn die Straßenschilder verrieten dies nicht. Auch mein Garmin war für solche Zwischenfragen nicht programmiert.

Schneller als gedacht waren wir dann aber dort und Ralph-Udo wartete mitten in der Sonne auf einem Tankstellenparkplatz mit unserem Versorgungsfahrzeug. Für mich war es nun an der Zeit für eine Coca-Cola-Zero und auch meine Kettenbrüder freuten sich über kalte Erfrischungen von der Tankstelle. 175 km waren nun abgespult und jetzt begann der wirklich anstrengende Teil unseres Tagesausflugs. Wirkliche Anstiege warteten nun auf uns. Zeitlich waren wir voll im Soll so dass wir davon ausgehen konnten, bei Tageslicht wieder in der Home-Base zurück zu sein.

Die ersten langen Hügel fuhren wir gemeinsam. Leider hatte Holger Probleme zu folgen und wir mussten oben auf ihn warten. An den ersten Anstiegen waren es nur wenige Minuten, dann dauerte es aber immer länger. Wir mussten handeln, um unseren Zeitplan nicht zu gefährden und entschieden, Holger samt Rennrad ins Auto zu Ralph-Udo zu setzten. Wieder gut, das wir Ralph-Udo und das Begleitfahrzeug dabei hatten. Nicht auszudenken was wir bei Einbruch der Dunkelheit im Berg gemacht hätten, wenn diese Option nicht bestanden hätte?!

Weiter ging es nun nur noch zu Fünft. Die Küstenstraße, so schön sie auch war, konnte ich leider nicht wirklich genießen, denn ich bin diese dort noch nie gefahren und hatte so auch keinen Streckenplan im Kopf. Das war schlecht fürs Kopfkino. Ich sehnte mich nach dem Abzweig nach Valldemosa und der dazugehörigen Wand von Valldemosa. Von da ab ging es bergab nach Deìa, wo ein letzter Pausenpunkt geplant war. Wir erreichten den Ort 20 Minuten zu spät und ich begann mir Sorgen über unsere pünktliche Ankunft, bei Tageslicht, in der Home-Base zu machen.

Sorgen bereitete mir auch der letzte große Anstieg, den Puig Major hoch. Diesen war ich noch nie gefahren und konnte so auch nicht wirklich einschätzen, ob er mir auf den letzten Kilometern die Schuhe ausziehen würde. Mit einem recht mulmigen Gefühl und Tropical-Fruit-PowerBar-Gel im Bauch durchquerten wir das Tal um in den Einstieg in den Berg zu gelangen. Timo gab mir wichtige Tips fürs Kopfkino: Bei Kilometerstein 38 ist Oben und es dauert selten länger als 60 Minuten dort hoch zu kommen. Mit diesen Informationen und guter Mucke aus meinem iPod-Shuffle auf den Ohren begann ich gleichmäßig zu pedallieren. Der letzte große Anstieg, der ist nun auch noch drin!

Oben angekommen warteten meine Kettenbrüder schon auf mich. Es hatte ihnen die Schuhe ausgezogen, denn sie liefen barfuss herum. Ein Pass-Foto wurde gemacht und dann drängte ich auf eine zügige Weiterfahrt. Es begann leicht zu dämmern und die Temperaturen sanken. Leider hatte ich mir keine Windweste eingepackt und so stürzte ich mich ohne diese in die wellige Abfahrt. Es lagen noch rund 40 km vor uns und ich wollte nun nur noch nach Hause. Die Beine waren noch gut aber der Spass am Radfahren wurde bei jedem Meter geringer.

Als Kilometerstein 14 erreicht war, wussten wir, dass es nun nur noch die lange Abfahrt hinunter nach Pollença zu fahren war. Unten im Tal machte ich noch mal ordentlich Druck und einen schnellen Zug auf, denn ich wollte auch zurück sein, bevor der Akku meines Garmin Edge 800 leer war. Herbert, mit seinem älterem Garmin Edge 705, hatte dahingegen keine Probleme.

Nach 13:44 Stunden Brutto- und 12:05 Stunden Nettofahrzeit erreichten wir platt aber überglücklich im Halbdunkel unsere Home-Base. Die 300-km-Marke war geknackt und auch über 3.700 Höhenmeter wurden gebügelt.

Fazit: Eine ganz große Tour, die nicht alle Tage gefahren wird. Dank der hervorragenden Vorbereitung und dem klasse Teamplay wurde diese Ausfahrt zu einem unvergesslichen Erlebnis. Ohne das Begleitfahrzeug mit Ralph-Udo hätten wir auch nicht so sorglos radeln können. Das Team hat hervorragend funktioniert und wir hatten viel Spass auf den gemeinsamen Kilometern. Eine Runde die, sofern die Körner vorhanden sind, auf jeden Fall mal auf dem Zettel stehen sollte.

Dank an meine Kettenbrüder Heiko, Herbert, Timo, Michael, Holger und Ralph-Udo für den Einsatz!

Mallorca Trainingscamp – Tag 7 – Kloster Lluc und Cap Formentor

Lesezeit: 2 Minuten

oder »Lockere 100-km-Runde«


Lange hat es gedauert bis wir uns heute für eine Tour entscheiden konnten. Schlussendlich entschied der Cheftrainer, was heute gut für uns sein würde. Es ging nicht auf die Brägel Tour #4 sondern auf direktem Wege durch das Peter Maffay Tal nach Caimari, um dort rechts in den Berg hoch zum Kloster Lluc abzubiegen.

Allgemein waren die Kettenbrüder nicht zu Wettrennen aufgelegt – trotz Ruhetages. Das passte mir sehr gut, denn ich hatte Schwierigkeiten einen runden Tritt zu finden. Als die Tankstelle dort oben erreicht war, war ich froh, das es nun nicht weiter hinauf ging, nur noch ein paar kleine Wellen, vor der Abfahrt hinunter nach Pollença.

In einer Kurve passierte mir wieder, was auch schon auf der Abfahrt in San Salvador passiert war: Das Hinterrad blockierte, hob von der Straße ab und drohte, mich links zu überholen. Schrecksekunde, denn die Leitplanke kam näher. Ich löste die Bremse blitzschnell und konnte so ein Aufschaukeln meines Rades verhindern. Unmittelbar als das Rad wieder sicher rollte bremste ich beherzt ein Zweites mal und konnte so eine Kollision verhindern.

Lange grübelte ich in der Abfahrt, was wohl der Grund für das sich anhebende Hinterrad gewesen war!? Ob die neuen Bremsen einfach giftiger zupackten? Ob ich nicht mehr richtig bremsen, uns somit auch nicht mehr richtig bergabfahren konnte? Vielleicht lag es auch einfach nur am neuen Rad, das dieses giftiger lief? Leider konnte ich die Frage nicht eindeutig beantworten. Nun fuhr ich allerdings wieder erheblich vorsichtiger den Berg hinunter.

Unten im Tal verabschiedete sich Timo nach einem kurzen Fotostop – er wollte noch mehr flache Kilometer abspulen und zum Radladen, wohingegen wir hoch zum Cap Formentor fuhren.

Auch diese Hügel fuhr ich wieder eher gemütlich, den Puls bloß nicht in den roten Bereich bringen. Zu groß die Ehrfurcht vor der Runde, welche uns morgen bevor steht.

Am Cap gab es die notorische Cola Light für 3,10 €. Wir trafen auch noch Ralf-Udo, der auch dort hinaus gefahren war. Nach der kurzen Brotzeit machten wir uns auf den Rückweg, nicht ohne in Port de Polença noch ein Stück Apfelkuchen zu verdrücken.

Fazit: Eine schöne Runde, die nicht all zu viele Körner gekostet hat. Zum Glück, denn morgen wird früher aufgestanden.

Mallorca Trainingscamp – Tag 6 – San Salvador

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oder »Auch bei schönem Wetter ’ne anstrengende Runde«


Die erste Woche des Trainingscamps ist vorüber und so hieß es von einigen Rennrad-Freunden abschied nehmen. Ein letztes gemeinsames Erinnerungsfoto und schon ging es für das A- und das B-Team auf die geplanten Ausfahrts-Runden.

Für uns stand heute San Salvador auf dem Programm. Eine eher flache Runde, auf der sich die Beine von den Strapazen von gestern erholen sollten. Wir fuhren, raus über Can Picaford und dann die lange Gerade in Richtung Petra, bevor wir scharf nach Links in Richtung Mancor abbogen. Hinab in ein wunderschönes Tal, auf steilen Serpentinen. Einige kleine Hügel mussten noch gebügelt werden, bevor wir in der GroßStadt Manacor eintrafen. Der Autoverkehr meinte es heute gut mit uns und wir konnten den Innenstadtautoverkehr ohne Zwischenfälle hinter uns lassen und San Salvador anpeilen.

Ohne die notorische P-Pause konnte nicht in den Berg gefahren werden und so legten wir vor dem Abzweig noch einen kurzen Stop ein. Zuerst konnten wir es gar nicht glauben als Michael und Tom erklärten, sie würden lieber unten warten und pausieren, während wir die weniger als 500 Höhenmeter zum Kloster hochkurbeln würden. Auch flotten Sprüche und Überredungsarbeit mit Engelszungen half nix: Ihr Entschluss stand fest und so machten sich Karin, Eric, Heiko, Christoph, Herbert und ich auf den Weg nach oben. Der Anstieg ließ sich bei herrlich blauem Himmel und wenig Wind hervorragend fahren. Ich fand schnell meinen Tritt und es machte Laune mich auszubelasten. Da hatten die Beiden echt was verpasst!

Oben tranken wir aus der frischen Wasserquelle reichlich leckeres, frisches Wasser und machten eine kleine Brotzeit, bevor es wieder nach unten ging. Unten warteten die Beiden auf uns. Weiter ging es nun gemeinsam Richtung Norden. Eine Pause war erst in Can Picaford geplant. Dort kannte Heiko eine Restauration, welche die Combo: Leckerer Erdbeerkuchen+Sahne+Getränk+Meerblick+Strand für 3,75 € im Angebot hatte. Leider war diese Restauration nur 15 km von unserer Haustür entfernt und bis dorthin waren es noch rund 60 km zu fahren. Immer wieder wurde es ungemütlich uns wirklich anstrengend. Aber da muss man einfach Klappe halten und durch, was auch hervorragend funktionierte.

In Petra gab es einen kurzen Zwischenstop zum Flaschen füllen und ColaZero trinken. Jetzt kam der letzte 20-km-Sektor und ein paar weitere Höhenmeter zum Erdbeerkuchen.

In der Restauration angekommen gab es nach kurzen Anlaufschwierigkeiten der Bedienung prompt unsere Bestellung. Michael erhielt sogar ein halbes Stück mehr, als die übrigen Rennfahrer. Ob das gerecht war, stellte Heiko zur Diskussion. Wir wollten keinen Futterneid aufkommen lassen und widmeten uns anderen Kettengesprächen bevor die Rechnung beglichen wurde und der letzte Sektor Richtung Home-Base pedaliert wurde.

Fazit: Eine Runde, die ich nicht so anstrengend in Erinnerung hatte. Habe ordentlich Körner lassen müssen, besonders auf dem Rückweg. Morgen ist Ruhetag und das ist auch gut so!