Mont Ventoux – Rennrad-Woche – Tag 3

Lesezeit: 3 Minuten

oder »Club der Verrückten – der Tripel«


Am Vorabend wurde der Wetterbericht geprüft und der heutige Dienstag für gut befunden, das Urlaubserlebnis #1 anzugehen: Den Tripel des Club des cinglés du mont-ventoux. In der Kurzfassung bedeutet das, alle drei möglichen Anstiege des Mont Ventoux an einem Tag zu fahren. Nicht mehr und nicht weniger. Das dabei etwa 4.000 Höhenmeter zusammen kommen, sei nur am Rande erwähnt.

Mit einiger Nervosität fand ich erst recht spät bzw. früh in den Schlaf. Die Hitze auf dem Zimmer tat ihr übriges. Suboptimale Bedingungen, denn der Wecker klingelte um 4:30 Uhr im Urlaub. Adrian besorgte beim verdrücken seiner Morgen-Zigarette noch backfrisches Baguette vom französischen Landbäcker und so war das Frühstück gerettet.

Um kurz nach 6 Uhr ging es dann runter nach Bédoin um ein geöffnetes Geschäft zu finden, welches uns einen Start-Stempel in unser Roadbook verpasste. Das Reglement sieht nämlich vor, dass an jedem Ort ein Stempel eines lokalen Geschäfts in das RoadBook abgedrückt werden muss, um zu beweisen, dass man alle drei Orte und den Gipfel angefahren hat.

Noch halbschlafend dann auf in den ersten, Tour-de-France-erprobten, Anstieg. Hinauf durch herrliche Pinienwälder. Wäre da die Steigung nicht, die sich immer zwischen 8 und 10% bewegte und das auf über 16 km. Eine sehr schweisstreibende Angelegenheit.

Oben angekommen gab es erstmal ein Beweisfoto, da die Stempelmaschine kein Kissen enthielt und der Shop noch nicht offen war. Es wurde wenig Zeit verschwendet, denn es war recht frisch und windig auf den 1.912 Metern ü. n. N.

Also geschwind in die Abfahrt gestürzt und den Alu-Renner auf 87,8 km/h beschleunigt. Die Geschwindigkeit machte mir schnell klar, wie ich leiden würde, hier wieder hoch zu fahren. Pässe die ich gerade runter gefahren bin, wenige Minuten später wieder hoch zu fahren ist auch nicht wirklich meine Lieblingsbeschäftigung, aber so sah es das Reglement nun einmal vor. Also schnell einen Stempel in Malaucène beim Bäcker besorgt und eine 180° Wendung eingelegt. Nun also wieder das Ding hoch. Freundlicher Weise hat der Tourismusverein Kilometersteine an den Pass positioniert, die nicht nur die Rest-Kilometer zum Gipfel zeigen, sondern auch die durchschnittliche Steigung des nächsten Kilometer. Als dort mehrere Kilometer hinter einander eine »11%« stand und die die Pinienwälder keinen Schatten boten, musste ich ganz schön kämpfen, das Rad nicht einfach Rad sein zu lassen und ein Päuschen im Schatten einzulegen. Aber mit der Attitüde würde ich nicht nach oben kommen! Also weiter.

Hinter der Ski-Station, auf den letzten 5 Kilometern nach oben, machten die Beine des vor mir fahrenden Adrian zu und er musste schieben. Noch konnte ich ihn überholen, aber dann begann ich auch zu krampfen. Zum Glück auf einem recht flachen Stück, denn Schieben an einem steilen Stück mag ich gar nicht. Wie das nur aussieht! Nach etwa 100 Metern schieben konnte ich dann aber wieder aufsatteln.

Die letzten Kilometer zum Gipfel kämpfte ich mich dann wieder fahrend nach oben. Am nun geöffneten Kiosk war ich total alle und ohne Kräfte. Ich wollte den Tripel absagen und nur ein Double einlegen. Adrian beschwichtigte mich aber, dass die Abfahrt und der darauf folgende Anstieg von Sault zwar mit 20 km lang, aber sehr moderat in den Steigungsprozenten sei.

Geplant getan, also runter nach Sault, wo erstmal Vesper in Form von Baguette mit Jambon und Ziegenkäse gemacht wurde. Lecker! So gestärkt ging es zurück nach oben, nie über 6% Steigung. Herrlich.

Oben angekommen freute ich mich dann auf die extrem schnelle Abfahrt herunter zur HomeBase, wo der Triple mit einem alkoholfreien Weizen begossen wurde.

Ein extrem hartes Ding, aber es ist ja nicht umsonst der Club der Verrückten. Bin froh das Ding abgehakt zu haben. Eine Wiederholung steht kurzfristig nicht ins Haus.

Höhenprofil vom der 3-fach Mont Ventoux Befahrung

Mont Ventoux – Rennrad-Woche – Tag 2

Lesezeit: 2 Minuten

oder »Umrundung des Biests«


Zur Einstimmung auf unser morgiges Vorhaben Vergnügen, den Mont Ventoux drei mal hoch zu fahren und zwar von allen Drei Auffahrten, bot es sich heute an, das Biest erst einmal genau in Augenschein zu nehmen.

Wir machten es wie ein Boxkämpfer bzw. Krieger: Wir umrundeten den Gegner erst einmal, um ihn genau in Augenschein nehmen zu können.

Für dieses Vorhaben standen natürlich auch wieder etliche Höhenmeter und damit verbunden, hohe und weniger hohe Pässe auf dem Programm. Aber der Reihe nach.

Da heute Einkaufstag war und wir aufgrund des lokalen Marktes einen Riesen Umweg fahren mussten, konnten wir erst um 11 Uhr Frühstücken, was die Abfahrt exakt in die Mittagshitze legte. Nicht gerade ideale Voraussetzungen für nen Hunderter mit Höhenmetern. Aber wir sind ja in Bewegung und so gab es auch bei ∅ 30,4°C immer genügend Fahrtwind um nicht zu sehr zu schwitzen. Nicht wirklich, denn das Ein ums Andere mal floss der Schweiss gemischt mit Sonnencreme in die Augen, was die Weiterfahrt sehr unangenehm gestaltete. Besonders wenn einen am Anstieg LKWs überholen. Aber auch diese Hürde wurde genommen und so konnte sich oft, zur Belohnung, in herrliche Abfahrten gestürzt werden.

Adrians Streckenplanung war perfekt: Eine Route, meist auf Nebenstrassen, mit schönen Pässen und Abfahrten. Heute wurde mir klar, warum so viele Rennrad-FahrerInnen ihren Weg hier her finden: Ein wunderschöne Landschaft, wenig Verkehr und immer eine Welle die gedrückt werden will: Perfektes Radfahr-Terrain!

So ging es Kilometer um Kilometer, ständig begleitet von herrlicher Foto-Tapete und auf der linken Seite die Radarstation des Mont Ventoux immer fest im Blick.

Hinter einer Abfahrt nach Mollans-Sur-Ouvèze war am Strassenrand noch eine Badestelle an einem kleinen Fluss, die wir zum Füsse abkühlen und Cola-trinken nutzten. Danach gab’s noch ein paar Höhenmeter, bevor es runter nach Bédoin ging, wo noch ein Eis verköstigt wurde. Jetzt noch hoch nach Ste Colombe, unserer HomeBase und das Erdinger Alkoholfrei wartete schon im Kühlschrank! Herrlich!

Morgen dann etwas mehr Höhenmeter…

Mont Ventoux – Rennrad-Woche – Tag 1

Lesezeit: < 1 Minute

oder »Cappuccino Tour zum Akklimatisieren«


Nach gut 14 Stunden Fahrzeit waren wir endlich in unserem Zielort Ste Colombe am Fuß des Mont Ventoux angekommen. Müde aber heiss aufs Rennradfahren. Also in Windeseile unser wunderschönes Ferienhaus bezogen und von der superfreundlichen Eigentümerin einen schnelle Rundgang bekommen. Erdinger Alkoholfrei ins Eisfach gelegt und ab aufs Rad!

Der Garmin musste für diesen kurzen Wellenritt nicht programmiert werden, einfach der Nase nach und ein paar Höhenmeter auf der gut 20 km langen kurzen Runde sammeln. Es zwackte in den Beinen und schnell war klar, dass das hier welliges Terrain ist.

Mit der Radar-Station des heiligen Berges der Kelten immer im Blick, rollte es gleich doppelt so gut zur Eisdiele in Bédoin, in dem wir recht hochpreisiges Eis und Café konsumierten, aber egal, denn wir sind ja im Urlaub hier und genießen kostet hier eben!

Für die restlichen Höhenmeter, zurück hoch nach Ste Colombo kamen die Kalorien gerade recht und so wurde voller Kraft die Homebase erreicht. Ein klasse Einstimmung auf das, was da noch kommen mag. Zum Glück habe ich die Sonnencreme Schutzfaktor 30 eingepackt…

Morgen dann etwas weiter!