Nordrunde über Kremmen

Lesezeit: 2 Minuten

oder »Mal schaun, was geht!«


Diese Runde habe ich ja schon des Öfteren unter die Räder genommen, dieses Jahr aber noch nicht, bei solch hohen Temperaturen.

Mit leichtem Schiebewind ging es nach Norden. Dank der Ferienzeit war wenig Verkehr auf Brandenburgs Strassen und die Fahrt lief ohne Aggressionen zwischen den Kraftfahrern und mir.

Im Priorter Backstübchen hatte ich erneut diese Erfahrung der unangenehmen Art: Mit leeren Flaschen und ziemlich dehydriert erreichte ich das Kaffee. Ich nahm mir eine ColaLight aus dem Kühlschrank und bat den Mitarbeiter meine Getränkeflaschen mit Leitungswasser aufzufüllen. Sofern er das nicht tun wollte, bat ich um einen Besuch der Toilette. Wohlgemerkt: Ich habe dort auch etwas kaufen wollen.

Der Mitarbeiter ließ mich abblitzen und sagte, dass das Füllen der Flaschen 50 ¢ kostet. Toilettenbesuch 30 ¢, die Flaschen müssten aber bei ihm bleiben. Ich durfte mir noch anhören »dass hier sooo viel Radfahrer vorbei kämen und das er ja auch Aufwand und Kosten hätte…« Auf sowas steh ich ja gar nicht! Dann wollte der Typ noch mit mir diskutieren!

Ich habe mir mein Geld für die ColaLight wieder geben lassen und habe ohne weiteren Kommentar – was für mich sehr unüblich ist – den Laden verlassen.

Keine 200 Meter weiter steht auf der rechten Straßenseite das Bürgeramt von Priort mit einem Frisör. Die Eigentümerin füllte mir gerne meine Getränkeflaschen und war über meinen Bericht höchst amüsiert.

Erfrischt und nachdenklich verließ ich diesen Ort mit Bahnhof und machte mich auf die letzten Kilometer, zurück in die Hauptstadt, wo dann alles doch ein wenig entspannter funktioniert.

Berlin -> Leipzig

Lesezeit: 3 Minuten

oder »Mit dem Rad zur Hochzeitsfeier in die Sachsenmetropole«


Elvira und Klaus, zwei gute Freunde von mir, hatten zur Hochzeitsfeier nach Leipzig geladen. Meine Berlin-Buddies wollten mit dem Auto runterfahren. Das war mir zu schnöde und so beschloss ich schon im Frühjahr, die Anfahrt mit meinem Renner zu bestreiten.

Die ganze Woche waren die Wetteraussichten durchwachsen, aber am Freitag Abend war klar, das der Samstag halbwegs trocken bleiben würde. Mein Vorhaben konnte also realisiert werden.

Um 14:30 Uhr wollte ich am Hotel in Leipzig sein, 6 Fahrstunden für 180 km hatte ich kalkuliert. Mit ein wenig Pause und Puffer war die Startzeit kein großes Algebra: Um 7 Uhr sollte es vor meiner Haustür auf die Reise gehen.

Die ersten Kilometer raus nach Süden liefen gut, es war zwar mit 12°C noch etwas frisch, aber schon jetzt zeigte sich die Sonne und der fast wolkenlose Himmel versprach einen schönen Sommertag. Meine Beine waren nach der Woche Rennrad-Abstinenz ausgeruht und fit. Ideale Bedingungen für diesen, etwas längeren, Ritt.

Nun musste ich nur noch zu mir finden und bei mir selbst und auf meinem Rad ankommen. Das fiel mir in den letzten Wochen sehr schwer und auch heute dauerte es bis hinter Tremsdorf bis sich Spass und Flow einstellte. Dieses herrliche Gefühl der Einheit von Strasse, Rennrad und Muskelkraft, die das schnelle und fast lautlose Vorankommen garantierten.

Ich konzentrierte mich nur auf die Landschaft, den Flow und die Straße. Die zurückgelegten Kilometer, die Fahrzeit und der damit verbundene Schnitt waren nebensächlich. Ich wusste das in Elster die Elbe zu überqueren war und etwa die Hälfte der Fahrstrecke absolviert war. Das sollte als Information reichen.

Leider lotste mich der Garmin in Zülichendorf das erste Mal auf unbefestigte Wege, in einen Wald hinein. Da muss ich wohl in Zukunft bei der Streckenplanung mehr Sorgfalt walten lassen. Trotzdem war Elster erstaunlich schnell erreicht und nach dem Übersetzten mit der Elbfähre zu 1,-€, machte ich erst einmal Rast in einem kleinen Tante-Emma-Laden in Wartenburg. Milchreis und volle Flaschen trugen entscheidend zum weiteren Wohlbefinden bei und ich freute mich auf den zweiten Sektor.

Leider meinte es der Garmin wieder nicht gut mit mir und lotste mich erneut über üble endlose Kopfsteinpflasterpassagen und Panzerplatten. Dann sollte ich in Wirtschaftswege einbiegen, die im dichten Unterholz im Wald zu enden schienen. Ich hatte ständig das Gefühl eine Zeitreise zu unternehmen und fand mich zurück vor 25 Jahren in der DDR. Zweitakter-Gestank und vorbeibrausende Trabbis hätten die Illusion perfekt gemacht, waren aber zum Glück nicht präsent.

Nun wurde die Route zunehmend länger, da ich zum Teil grosse Umwege in kauf nehmen musste, um nicht über weitere unbefestigte Wege durch den Wald fahren zu müssen.

Auch der Wind war nicht auf meiner Seite – die letzten Kilometer wurden richtig anstrengend. Aber nicht so anstrengend, das es sich noch gelohnt hätte ein weiteres PowerBar aufzureißen oder gar Gel zu verdrücken.

Am Ortsschild rief ich Ralph, der sich mit dem Auto auf der Anreis nach Leipzig befand und meinen Anzug mit im Gepäck hatte, an. Wir schalteten beide Google Latitude an, sodass wir wussten, wo wir uns befanden und wer zuerst im Hotel sein würde.

Ich musste mich nun kneifen, da dichter Autoverkehr und jede Menge Straßenbahnschienen in der Innenstadt von Leipzig meine volle Aufmerksamkeit erforderten. Das Hotel wurde aber dank Garmin und entsprechender Streckenplanung zielsicher erreicht. Ich konnte gerade einchecken und das Zimmer beziehen, als ich auf meinem iPhone sah, dass meine Buddies auch gerade eingetroffen waren. Einer ausgelassenen Hochzeitsfeier stand nun nur noch eine erfrischende Dusche im Wege. Nach dieser machten wir uns auf den Weg in den nahen Bayrischen Bahnhof. Ordentlich Knast und Bierdurst war in ausreichender Menge vorhanden.

Harz-Tour 2012 – Tag 3

Lesezeit: 2 Minuten

oder »Heute mal kein Regen?«


Die Wettervorhersage versprach Regen mit einer 92%igen Wahrscheinlichkeit. Bei solchen Aussichten setzte ich mich eigentlich nicht auf mein Rennrad. Herbert und Otto reisten gleich nach dem Frühstück ab – vernünftig.

Die Mehrzahl meiner Mit-Rennfahrer wollte es aber unbedingt wagen, noch ein paar Höhenmeter zu sammeln und so starteten wir um kurz nach 11, nachdem das Haus geräumt war, auf unsere dritte Runde.

Ich kürzte die Runde so, dass das Highlight Rosstrappe auf direktem Weg angesteuert wurde. So gingen uns zwar ein paar Trainingskilometer und Höhenmeter verloren, sollten wir allerdings in eine Schüttung kommen würden wir nicht all zu lang in nassen Klamotten pedallieren müssen.

Die Schüttung blieb für lange Zeit aus und erst auf der Rückreise im schönen Treseburg begann es zu regnen. 10 Kilometer vor unserer Home-Base im Tannepark fuhr ich auf einer, eigentlich gut einsehbaren Abfahrt, sehr weit links um den Scheitelpunkt der vor mir liegenden Rechtskurve optimal anzusteuern, da überholte mich, wie aus dem Nichts, ein PKW. Die Rufe meiner Mitfahrer hinter mir verhallten im Fahrtwind. Mit wenigen Zentimetern Abstand passierte mich der Überholende PKW. Grosser Schreck aber zum Glück war mein Schutzengel wieder mal in meiner Trikottasche dabei.

Zurück im Tannepark genossen wir noch die Dusche, kaltes Bier und Schinkenbrötchen, bevor wir uns auf die Rückfahrt in die Hauptstadt machten.

Fazit der Tour de Harz 2012: Bei solchen Wochenend-Wetterprognosen setze ich mich eigentlich nicht auf mein Rad. Der Stress für Mensch und Material steht in keinem Verhältnis zum Spass am Rollen. Alle Kettenbrüder waren aber heiss auf Höhenmeter und Kilometer und so ließ ich mich mitreißen und freute mich am Ende doch, wieder den ein oder anderen Hügel bezwungen zu haben. Ob ich mir das 2013 noch einmal antue weiss ich nicht.