Auf Friedensfahrt–Kurs 2016 5. Tag: Karpacz -> Görlitz

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110 km | 1.510 Höhenmeter


Ich war schon früh wach, da unsere Unterkunft, das Hotel Apollo, keine Gardinen hatte. Auch stand Christian mit seiner weißen Unterhose und einem langen Stock neben meinem Fenster. Ich rieb mir schlaftrunken die Augen und konnte mich an letzte Nacht erinnern: sein geliebtes Ötztaler-Trikot war samt Kleiderbügel und Assos Radbuchse aus dem Fenster geflogen, wo es am Fensterrahmen zum trocknen hing. Nun hatte sich der Bügel am äußersten Rand der Regenrinne unseres Zimmers im 3. Stock verfangen.

Zum Glück war Christian so besonnen, die waghalsige Kletter-Aktion nicht in unserem fröhlichen Zustand von gestern Nacht durchzuführen.

Trotzdem wollte ich mir die Trikot-Rettungsaktion nicht live ansehen oder gar Filmen. Zu groß ist meine Höhenangst und zu krasse Bilder hatte ich bereits im Kopf, wie Christian mit nicht mehr weisser Unterhose unten auf dem Asphalt aussehen könnte.

Glücklicherweise klappte die Rückholaktion nach einigem gestocher und das erste Anschwitzen hatte der 3.Stock-Dachziegel-Kletterer auch ohne sein Carbon-Trek bereits absolviert.

Das Frühstück war dann wieder gewohnt übersichtlich, aber alle wurden trotzdem satt. An Pulverkaffee werde ich mich aber wohl nie gewöhnen.

Wir wurden dann, nicht ohne Ansprache, auf die letzte Etappe geschickt. Alle blickten sich ein wenig wehmütig an, dass es das schon wieder war, mit der Friedensfahrt für 2016.

Aber zuerst musste noch nach Görlitz geradelt werden. Einige Höhenmeter galt es noch zu drücken bevor die letzte Verpflegung nach der Hälfte der heutigen Sektoren erreicht war. Schöne grüne Wälder wurden durchquert und der manchmal recht gute Asphalt in den Abfahrten in Polen entschädigte für die Rüttelpisten der letzten Tage.

An der Verpflegung noch ein letztes Mal Vollkornbrot mit Frischkäse und Tomaten und dann ging es auch schon auf den letzten Sektor nach Görlitz. Ich wollte möglichst viel von dem schönen Wetter und der Natur mit nach Hause nehmen.

In Görlitz angekommen traf auch schon kurze Zeit nach uns das Gepäck ein und wir konnten hoch zum Neiße-Bad, um uns für die Heimfahrt frisch zu machen.

Eine Klasse organisierte ITF 2016 geht zu Ende und hinterlässt wieder viele tolle Eindrücke, Gespräche und Erfahrungen die nur bei solch einer Veranstaltung möglich sind. Vielen Dank an Peter und seine Frau Christel, aber auch die vielen Helfer im Hintergrund, die diese erstklassige und zugleich preiswerte Radreise erst möglich gemacht haben!

Wir sehen uns wieder in 2017! Vielen DANK!

 

Auf Friedensfahrt–Kurs 2016 4. Tag: Jičín -> Karpacz

Lesezeit: 2 Minuten

134 km | 2.446 Höhenmeter


Der Tag begann spannend, denn eigentlich waren es zu viele Biere in der Nach zuvor so waren nicht nur die Beine schwer, sondern auch der Körper. Kopfschmerztabletten waren auf Grund der hohen Qualität des tschechischen Bieres glücklicherweise nicht nötig.

Auch nach dem ausgiebigen Frühstück, welches ein wenig Kraft in die morschen Knochen zurück brachte, fühlte ich mich trotzdem nicht genötigt, heute Höchstleistungen auf dem Rad zu vollbringen. Wo soll das nur Enden? Wer soll denn die ganzen KOMs holen? Und wie soll ich Jammerlappen überhaupt über die ganzen Wellen kommen? Fragen über Fragen, für dessen Beantwortung ich noch ein wenig Zeit hatte.

Eher im »Jum« ging es zum üblichen Programm: Nett Grüßen, nach Luftpumpe fragen und nicht ganz unwichtig: Gepäck verladen und Gruppen-Erinnerungsfoto-Foto-Schießen .

Als all diese Formalitäten erledigt waren ging es endlich auf die Strecke. Ganz ohne Beine und klarem Kopf. Suboptimale Voraussetzung um mehr als 2.000 hm wegzukurbeln. Welche Gruppe nehmen, wo mitfahren waren die klarsten Gedanken in diesem Moment. Leider war dann eben diese Gruppen schon von dannen gezogen.

Also Musik an und mein Ding machen. Später auf Toms Gruppe aufrollen und mich dort im Windschatten einreihen. Bloß nicht nach vorne fahren und sich zeigen. Führungsarbeit konnte und wollte ich heute nicht leisten. Was für ein Lutscher ich doch geworden bin!? Schämen müsste ich mich. Stattdessen war ich froh auch an den Wellen dort mitdrücken zu können.

Dass sie die mittlere Streckenlänge gewählt hatten kam mir auch sehr gelegen, denn zu Höchstleistungen oder gar neuen Rkorden war ich heute, wie bereits geschrieben, nicht in der Lage. Was für ein Jammerlappen. Mein neues CAAD12 schämte sich gewaltig für mich.

An den Anstiegen musste ich immer alles geben. Und wurde trotzdem letzter. Egal, denn die Hauptsache war, dass die Bande auf mich wartete, was sie auch taten. Bilder von Erik Zabel wie er sein Bike in den Graben schmeisst und in den Besenwagen steigt schwirrten mir durch den Kopf.

Die Strecke war nicht für umsonst als Königsetappe deklariert. Jede Menge fiese Kanten mussten gebügelt werden, was mir trotz elektronischer Unterstützung Schaltung fühlbar nicht leicht schwer fiel.

Auch nach dem langen Anstieg hoch zum Skigebiet kamen, gerade auf der polnischen Seite, noch ein 3,6 km langer Anstieg mit kontinuierlicher Steigung von 12–14%, die mir richtig die Beine verkloppten. Stellenweise dachte ich, ich würde es nicht bis oben schaffen aber dann bekam ich es doch noch hin. Nicht ohne erhebliche Leiden. Aber das ist ja ganz grosser Radsport!

Meine Gruppe wollte dann leider, ganz zu meinem Verdruss, ohne Pause weiter fahren und nicht mehr Einkehren. Was für ein Mist. Was hätte ich für eine kalte Cola gegeben?!

So musste ich weiter kämpfen um die Pension Apollo zu erreichen. Damit noch mal zum Abschluss ordentlich das Laktat in die Beine schiesst, war es eine reinrassige Bergankunft und es musste sich durch die Fussgängerzone des schönen Skiorts gekämpft werden. Noch einmal Vollgas und dann war endlich das Tagesziel erreicht.

Heute war das eine echt harte Etappe, aber ich war ja nicht zum Vergnügen hier. Zum Ausgleich gab es dann später in unserem Stammlokal, nach dem gewohnt einfachen Abendbrot im Apollo, ein ordentliches zweites Diner. Morgen dann zurück nach Görlitz. Und schon wieder Friedensfahrt vorbei. Sehr sehr schade.

Auf Friedensfahrt–Kurs 2016 2. Tag: Görlitz -> Liberec

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117 km | 1.891 Höhenmeter


Nach dem entspannten Frühstück wurde um 9 Uhr das Gepäck verladen. Dann ging es zum Hauptbahnhof um die restlichen 100 Mitfahrer zu begrüßen. Nach Peters Ansprache gingen dann die mehr als 100 Radlerinnen und Radler auf die Strecke. Ein imposanter Anblick.

Erst zur Landeskrone, dann gen Süden. Es lief gut im Windschatten der grossen Gruppe. Auch die ersten Wellen konnte ich noch relativ gekonnt mitdrücken. Kurz vor der Verpflegung musste ich aber reißen lassen.

An der Verpflegung freute ich mich über die leckeren Stullen und das entspannt rumhocken in der Sonne.

Mit den Schnellen wollte ich nach der Pause nicht mitfahren und so machte ich mich alleine auf die letzten knapp 40 km. Als Highlight wartete noch der rund 15 km lange Anstieg hoch auf den 1.012 m hohen Ještěd. Der Berg wurde erstmal umrundet. Und dann ging es hart in den Berg. Ich hatte denn Anstieg noch von vor 5 Jahren in Erinnerung. Damals war es kalt und unwirklich heute sonnig und warm. Allerdings dadurch gefühlt kein bischen einfacher.

Was mich irritierte war die Familie mit Kindern, die mit Fahrradanhänger dort hochwollte. Der 3 km lange Kanten hatte 11% Steigung für die es meiner Ansicht nach spezielles Material bedarf. Zum meinem Erstaunen kam der Kinderanhänger irgendwann auch oben an. Zum Glück wurde ich nicht überholt.

Nach der leckeren Cola-Zero am Gipfel und den Beweis-Selfies ging es in die rasante Abfahrt, in der es einige brenzlige Situationen mit tschechischen Autofahrern gab, die der Meinung waren uns, die 60 km/h-den-Berg-Hinabfahrer mit 70 km/h und 15 cm Seitenabstand überholen zu müssen. Zum Glück ist alles gut gegangen und wir erreichten erschöpft aber zufrieden unser komfortables Sporthotel.

Morgen dann ein paar mehr Höhenmeter!