Škoda Velothon Berlin 2012

Lesezeit: 5 Minuten

oder »Geht’s ein wenig flotter als in 2010?«


Früh in 2012 entschloss ich mich, am Škoda Velothon Berlin 2012 in diesem Jahr nicht teil zu nehmen, es sei denn, es würde sich einen Sponsor für meinen Startplatz finden. Dieser wurde kurzerhand mit Ambrosetti, dem Bierspeziallitätenhändler in Berlin, gefunden und so gab es kein zurück mehr und die Vorfreude auf das Event wuchs.

Um 8:15 Uhr war ich mit Stefan B. am Ernst-Reuther-Platz verabredet. Wir wollten von dort gemeinsam in unseren Startblock rollern. Da ich ein paar Minuten zu früh dort war, blieb noch Zeit, den Radlern aus Block C auf ihrer 60-Kilometer-Runde zuzuschauen, wie sie den großen Kreisverkehr umrundeten. Knapp zwei Stunden später würden wir hier auch lang rollen drücken.

Stefan erschien in Windjacke, die ich zuhause ließ, denn es war zu dieser Zeit schon 18°C warm und jeder zusätzliche Ballast würde mich nur behindern. Nach knapp zwei Kilometern weiterem geroller erreichten wir unseren Startblock B, an dem wenig später Christian P. auftauchte. Wir bewegten uns in etwa die 15. Reihe in unserem Block und begannen uns für den rund 60 Minuten entfernten Start zu wappnen. Dixies wurden besucht und Musik, auf Anweisung der Ordner, aus den Ohren entfernt. Auch wurde noch eine Flasche Iso geleert.

Als der Startblock A auf die Reise geschickt wurde, war es mit der entspannten Gemütlichkeit vorbei. Trotzdem sich mein Puls in Ruhe bei 91 bpm einpendelte war ich sehr nervös. Meine Beine fühlten sich zwar gut an, aber ich stand irgendwie neben mir. Keine gute Ausgangssituation für einen hochkonzentrierten Ritt auf der Rasierklinge über knapp 114 km auf Berlin und Brandenburgs Straßen.

Nach dem Startschuss ging es flott los, 42, 44, 47 km/h. Nicht über 50. Fein, ein Tempo welches ich geduckt im Windschatten über lange Zeit gehen kann. Ich begann schnell in den Race-Mode zu wechseln. Der Puls schoss zwar in die Höhe und ich fühlte meinen Herzschlag gegen meinen Hals hämmern. Die Beine fühlten sich gut an, die Muskulatur arbeitete geschmeidig. Kein Grund zur Sorge. Einfach Kette rechts und immer hoch konzentriert voraus schauen. So wurde die Innenstadt passiert und die erste leichte Welle an der Spandauer-Damm-Brücke genommen. Perfekt. Die Havelchaussee mit ihrer höchsten Erhebung der Strecke konnte kommen. Auf dem Weg dort hin wurden schon die ersten Fahrer aus dem A-Block kassiert und ausgespuckt. Ich war überrascht, wie kampflos sich diese stellten. Um vorne mit zu spielen – und das wollte ich unbedingt – müsste ich mindestens 400 mit dem »A« auf der Rückennummer überholen. Eine unvorstellbare Aufgabe.

Als hinter Nudow, bei Kilometer 65, das Feld auf einmal in Einer-Reihe zu fahren begann, sicher wegen des Windes, sah ich meine Chance, gleich an einem ganzen Schwung Rennfahrern vorbei zu ziehen. Tempo angezogen und einfach im Wind vorbei. An einem leichten Anstieg wurde es dann wieder kompakt und dann passierte das, was ich heute noch nicht gesehen hatte: Ein Massensturz direkt vor mir. Besonders fatal: Die Guides vom Safer Cycling waren in die Karambolage verwickelt und mussten mit  zerbröselten Laufrädern zurück bleiben.

Aufgrund des Zwangs-Stopps musste nun wieder ein Loch zu gefahren werden. Nun hatte ich auf einmal Stefan R. vom Berlin Racing Team neben mir. Ich war erstaunt, Stefan versicherte mir aber, das ich ganz vorne angekommen war. Klasse.

Ich schwor mir, den Pulk von etwa 100 Fahrern nicht mehr ziehen zu lassen. Ludwigsfelde, der südlichste Ort der Runde wurde passiert und rauf ging es auf die gesperrte B101 Schnellstrasse zurück in die Hauptstadt. Ein relativ entspannter Sektor: Es wurde zwar flott gefahren, aber durch den glatten Asphalt und die breite Fahrbahn war das Fahren technisch wenig anspruchsvoll. Zeit zu verschnaufen, ein wenig zu essen und trinken und sich mental auf die letzten knapp 30 Kilometer durch den Grossstadt-Dschungel vorzubereiten. Es warteten noch hunderte Schlaglöcher, abgesenkte Gullideckel, das windige Tempelhofer Flugfeld, zig Strassenbahnschienen und 90°-Kurven auf uns.

Nach Passieren der Stadgrenze in Marienfelde begann es im Minuten-Takt um mich herum zu scheppern. Direkt hinter mir hörte ich diesen fiesen Sound von zerschellenden Rädern auf dem harten Asphalt. Vor mir verbremsten sich Fahrer oder hielten den Lenker nicht mit beiden Händen fest und legten sich auf den welligen Asphalt. Nicht lange gucken, einfach weiter hochkonzentriert dem Ziel entgegen. In diesem Sektor gab es wenig Raum um Plätze gut zu machen.

Als Friedrichshain-Kreuzberg auf der Oberbaumbrücke hinter uns gelassen wurde und es mit Gegenwind zurück nach Mitte ging, begann ich wieder zu kämpfen und zu drücken. Da ging noch was. Als der Hauptbahnhof sturzfrei passiert war, wusste ich das es gleich geschafft sein würde. Durch geschicktes passieren von Verkehrsinseln auf der linken Seite konnte ich weitere Plätze gut machen. Nun noch ganz außen, zwar auf dem längeren, aber freien Weg, um die Goldelse und mit letzter Kraft den Zielsprint eingeläutet. Viele waren nicht mehr vor mir…würde es in die Top-100 reichen?

Nach Rückgabe des Transponders, einem Becher Iso und einigen Orangenhälften, zückte Christian sein iPhone und checkte die Ergebnisse des Rennens: Meine Freude war gross, als ich erfuhr das er auf Platz 111 und ich auf 44 gefahren war. Perfektes Finish!

Jetzt wurde es aber auch Zeit, den Gutschein für das wohlverdiente, im Startpreis enthaltenen, alkoholfreies Erdinger Weissbier einzulösen. Im Minutentakt kamen nun viele meiner Kettenbrüder ins Ziel. Freude machte sich breit.

Nun wollten Alexander und ich noch der Einladung von Škoda ins V.I.P. Zelt folgen und uns bei herrlich al dente gekochten Nudeln und gekühlten Erfrischungsgetränken, ab des Trubels, verwöhnen lassen.

Als besonderes Highlight bekamen meine müden Beine noch eine Massage von den Radrennfahrer-geprüften Händen der bezaubernden Judith vom Trainings- und Therapiezentrum Previtacore.

Mir wurde bewusst, dass ich nach einem Radrennen noch nie eine Massage erhalten habe. Ich merkte schnell, wie gut das tat und welchen Luxus die Profis da nach der Ausdauer-Belastung genießen dürfen. Nach dieser professionellen Massage fühlten sich die müden Beine erfrischt und fast wie neu an. Die spätere Heimfahrt mit meinem Renner war ein Vergnügen, keine Qual.

Fazit: Eine wirklich professionell veranstaltetes Jedermann-Radrennen im fünften Jahr durch die Hauptstadt und Teile Brandenburgs. Ich fühlte mich auf der Strecke erheblich sicherer als vor zwei Jahren. Ich denke die Sicherheitshinweise, Gefahrenschilder  und die Safer Cycling Kampagne sind dafür mit verantwortlich. Sehr gut! Weiter so, freue mich schon auf ein Wiedersehen in 2013!

Nachtrag:
Karsten hat dieses Video auf der Ziellinie aufgenommen. Bei Sekunde 13 husche ich in meinem roten Trikot kurz durchs Bild.
Sprint-Geschwindigkeit laut Garmin: 58,9 km/h | Puls 186 bpm

Die Auswertung der Ergebnislisten hat ergeben, dass ich die 2. schnellste Zeit überhaupt gefahren bin. Das hängt damit zusammen, dass ich aus Block B zu Block A aufgeschlossen habe und somit die Zeitdifferenz von 3 Minuten neutralisiert habe. Leider hat dies bei den Top-100-Fahrern keine Auswirkung.

Auf Friedensfahrt – Kurs 2012 6. Tag: Talitz -> Leipzig

Lesezeit: 3 Minuten

151,77 km | 1.160 Höhenmeter


Schon um 5:30 Uhr wurde ich von Vogelgezwitscher in unserer Baracke am See geweckt. Die Nacht war kurz und turbulent, denn vier Mann, eingepfercht in einer kleinen Holzhütte, mit einer interessanten jungen Frau, tun sich schwer beim Einschlafen.

Das Frühstück im Haupthaus der Jugendherberge war einfach aber energiespendend. Nach der routinierten Abfahrvorbereitung ging es los zum Treffpunkt im nahen Talitz. Die vielen Teilnehmer waren wieder auf drei Übernachtungsorte aufgeteilt. Eine logistische Meisterleistung vom Orga-Team rund um Christel und Peter. Nach einer kurzen Tourenbeschreibung und einer Startrakete ging es im großen Feld in Richtung Plauen.

Ich hatte heute die Aufgabe das Feld und Peter durch die Plauener Innenstadt zu führen. Eigentlich eine Aufgabe, die ich mit Hilfe meines Garmin routiniert abspulen kann. Mit über 100 Radfahrern und dem orange-blinkenden Orga-Pkw hinter mir hatte diese Aufgabe aber eine neue Qualität. So war ich froh einen »Plauener-Local« an meiner Seite zu haben, der die Strecke aus dem »FF« kannte und so die verkehrsfreundlichste Route wählte. Wären wir ausschließlich nach Garmin gefahren, wäre die Ortsdurchfahrt sicher unentspannter erfolgt.

Nun war ich froh das Ortsausgangsschild im riesigen Peleton erreicht zu haben und die ersten Hügel sich vor uns aufbauen zu sehen. Genau der richtige Augenblick, die Strecke frei zu geben und an Fahrt aufzunehmen.

Es bildete sich unmittelbar ein illustre Gruppe die sofort begann eben diesen Hügel hinauf zu ochsen und so das Feld zu zerpflücken.

Ich fühlte mich sofort wohl, denn es wurde sauber und flott in 2er-Reihen mit RTF-Speed gefahren. Die Route hatte auch heute wieder, einige Höhepunkte zu bieten, neben der Göltzschtalbrücke – der größten Ziegelbrücke der Welt – welche wir durchfuhren,  waren da noch die vielen grünen Mischwälder, die mein Gemüt erfreuten. Was für ein herrlicher Tag Rad zu fahren und neue, mir unbekannte, Regionen zu erkunden.

Kurz vor dem verdienten Buffett wurden noch Radler von der kurzen Runde kassiert. Nach einer ausgiebigen Labe mit Nutella-Broten und Riegeln ging es weiter auf dem hügeligen Terrain. Eindeutig ein Sektor der wieder von den Thüringer Bergziegen dominiert wurde. Jeder Hügel wurde so kraftvoll gedrückt, dass mir Angst und Bange wurde. Das Ein ums Andere mal überlegte ich, einfach reißen zu lassen, bevor mir wieder klar wurde, dass die Ziegen, Hügel einfach gelassener fahren: bergauf drücken bis die Ohre bluten und dann oben auf dem Kamm und in der Abfahrt rausnehmen und auch mal einfach rollen lassen. Extrem sympathisch, denn so hatten auch die etwas Schwereren am Berg die Chance, wieder mit dem schnellen Feld zu fahren.

Die Hügel verwandelten sich in Wellen und meine Stunde schlug. Dieses Terrain liegt mir. Mit Kraft und relativ niedriger Frequenz kann ich kleinere Wellen einfach wegdrücken, wohingegen leichtere Fahrer da oft ihre Schwierigkeiten bekommen, da nicht genug Muskelmasse vorhanden ist. Ich nahm mir gerne und oft die Führung und begann auch das Ein ums Andere mal so Feuer zu geben, dass nur noch in 1er Reihe gefolgt wurde. Welch ein Spass!

Leider war das zweite Buffet noch nicht installiert. Wir waren wohl einfach zu schnell und so gab es einen kurzen VitaCola- und Knackwurst-Stop am Versorgungsfahrzeug der Bergziegen. Da uns das aber noch nicht reichte wurde auch noch eine Tankstelle angesteuert und weitere Kohlenhydrate nachgelegt.

Gut gestärkt ging es auf die letzten Kilometer nach Leipzig, zu einer Turnhalle im Zentrum der Messestadt. Dort traf wenige Minuten vor uns der Gepäckwagen ein. Nach klasse Teamarbeit auf dem Rad setzte sich diese beim Entladen der vielen Gepäckstück auf dem LKW fort und mit Hilfe einer menschlichen Kette war das Gepäck ratz-fatz entladen.

Erstmal duschen & chillen, denn es dauerte noch mindestens eine Stunde, bis der Rest meines Teams eintrudelte.

Mit einem gemeinsamen Besuch beim VaPiano am Augustusplatz ließen wir die ITF 2012 ausklingen und versprachen uns, 2013 wieder dabei zu sein. Welch unvergesslichen 6 Tage liegen hinter mir!?

Auf Friedensfahrt – Kurs 2012 5. Tag: Mariánské Lázně -> Taltitz

Lesezeit: 2 Minuten

155,18 km | 1.931 Höhenmeter


Nach dem tschechischen Frühstück, hoch oben auf dem Berg über Marienbad verließen wir den eleganten Ort, ohne vorher noch eine touristische Ortsdurchfahrt zu absolvieren. Leider hatten wir nicht mehr Zeit, uns die vielen schönen alten Gebäude anzusehen.

Gemeinsam mit meinem Team ging es auf der geplanten Route die Ausfallstrasse hinaus nach Süden. Erst durch kleine Ortschaften, dann auf herrlich ausgebauten Waldpisten mit sehr wenig Autoverkehr, weiter in Richtung deutsch-tschechischer Grenze, die auf einem Bergkamm passiert wurde.

Jetzt war es wirklich an der Zeit die Armlinge abzustreifen, denn die Sonne wärmte selbst oben auf dem Berg beträchtlich.

Wir waren nun nur noch zu Viert, denn der Rest der Gruppe liess es entspannter angehen. Das Profil blieb wellig, aber bei dieser herrlichen Landschaft und dem Sonnenschein, war das Radfahren heute der perfekte Zeitvertreib. Wir fuhren auf drei Fahrer des Teams Univega auf und drückten mit diesen gemeinsam die Wellen weg.

Die Flaschen waren leer und das Buffet musste her. Pünktlich nach 86 km, der Hälfte der Strecke, stand Frank wieder mit seinem roten Kastenkombi und den tapeziertischen am Wegesrand um uns mit Stullen, Riegeln, Wasser und Tee zu versorgen. Herrlich! Nach und nach tröpfelte der Rest der Bande ein und zu meiner großen Freude trafen auch die Thüringer Bergziegen ein. Wir beschlossen gemeinsam weiter zu fahren. Zu siebt ging es auf den letzten Sektor.

Die Art und Weise wie die Thüringer die Berge nahmen kostete mich Flachländer ganz schön Körner: Immer am Anschlag den Hügel hoch und dann oben auf dem Kamm ruhiger weiter. In den Abfahrten auch mal Rollen lassen. Ich konnte mich anpassen, andere Mitfahrer maulten. Nicht schön.

Weiter ging es durch herrliche Landschaften entlang der Grenze von Deutschland und Tschechien. Eine Region die wie geschaffen ist zum Radfahren: Verkehrsarme Strassen, gute Asphalt und ein immer welliges Profil, dass einen nie wirklich verschnaufen lässt. Perfekt.

Auf den letzten Kilometern wurde es dann noch mal richtig hart für mich, da mich die Kräfte verließen. Aber meine Team-Mates bemerkten das ich fehlte und ließen es ruhiger rollen. So erreichten wir gemeinsam die an der Talsperre Pirz gelegene Jugendherberge. Eine 5-Mann-und-Frau-Baracke wurde bezogen und nach aller Hand Schabernack die Nachruhe eingeläutet.

Ein herrlicher Tag auf dem Renner, der eigentlich kaum zu toppen sein würde. Mal sehen…