Auf Friedensfahrt – Kurs 2012 6. Tag: Talitz -> Leipzig

151,77 km | 1.160 Höhenmeter


Schon um 5:30 Uhr wurde ich von Vogelgezwitscher in unserer Baracke am See geweckt. Die Nacht war kurz und turbulent, denn vier Mann, eingepfercht in einer kleinen Holzhütte, mit einer interessanten jungen Frau, tun sich schwer beim Einschlafen.

Das Frühstück im Haupthaus der Jugendherberge war einfach aber energiespendend. Nach der routinierten Abfahrvorbereitung ging es los zum Treffpunkt im nahen Talitz. Die vielen Teilnehmer waren wieder auf drei Übernachtungsorte aufgeteilt. Eine logistische Meisterleistung vom Orga-Team rund um Christel und Peter. Nach einer kurzen Tourenbeschreibung und einer Startrakete ging es im großen Feld in Richtung Plauen.

Ich hatte heute die Aufgabe das Feld und Peter durch die Plauener Innenstadt zu führen. Eigentlich eine Aufgabe, die ich mit Hilfe meines Garmin routiniert abspulen kann. Mit über 100 Radfahrern und dem orange-blinkenden Orga-Pkw hinter mir hatte diese Aufgabe aber eine neue Qualität. So war ich froh einen »Plauener-Local« an meiner Seite zu haben, der die Strecke aus dem »FF« kannte und so die verkehrsfreundlichste Route wählte. Wären wir ausschließlich nach Garmin gefahren, wäre die Ortsdurchfahrt sicher unentspannter erfolgt.

Nun war ich froh das Ortsausgangsschild im riesigen Peleton erreicht zu haben und die ersten Hügel sich vor uns aufbauen zu sehen. Genau der richtige Augenblick, die Strecke frei zu geben und an Fahrt aufzunehmen.

Es bildete sich unmittelbar ein illustre Gruppe die sofort begann eben diesen Hügel hinauf zu ochsen und so das Feld zu zerpflücken.

Ich fühlte mich sofort wohl, denn es wurde sauber und flott in 2er-Reihen mit RTF-Speed gefahren. Die Route hatte auch heute wieder, einige Höhepunkte zu bieten, neben der Göltzschtalbrücke – der größten Ziegelbrücke der Welt – welche wir durchfuhren,  waren da noch die vielen grünen Mischwälder, die mein Gemüt erfreuten. Was für ein herrlicher Tag Rad zu fahren und neue, mir unbekannte, Regionen zu erkunden.

Kurz vor dem verdienten Buffett wurden noch Radler von der kurzen Runde kassiert. Nach einer ausgiebigen Labe mit Nutella-Broten und Riegeln ging es weiter auf dem hügeligen Terrain. Eindeutig ein Sektor der wieder von den Thüringer Bergziegen dominiert wurde. Jeder Hügel wurde so kraftvoll gedrückt, dass mir Angst und Bange wurde. Das Ein ums Andere mal überlegte ich, einfach reißen zu lassen, bevor mir wieder klar wurde, dass die Ziegen, Hügel einfach gelassener fahren: bergauf drücken bis die Ohre bluten und dann oben auf dem Kamm und in der Abfahrt rausnehmen und auch mal einfach rollen lassen. Extrem sympathisch, denn so hatten auch die etwas Schwereren am Berg die Chance, wieder mit dem schnellen Feld zu fahren.

Die Hügel verwandelten sich in Wellen und meine Stunde schlug. Dieses Terrain liegt mir. Mit Kraft und relativ niedriger Frequenz kann ich kleinere Wellen einfach wegdrücken, wohingegen leichtere Fahrer da oft ihre Schwierigkeiten bekommen, da nicht genug Muskelmasse vorhanden ist. Ich nahm mir gerne und oft die Führung und begann auch das Ein ums Andere mal so Feuer zu geben, dass nur noch in 1er Reihe gefolgt wurde. Welch ein Spass!

Leider war das zweite Buffet noch nicht installiert. Wir waren wohl einfach zu schnell und so gab es einen kurzen VitaCola- und Knackwurst-Stop am Versorgungsfahrzeug der Bergziegen. Da uns das aber noch nicht reichte wurde auch noch eine Tankstelle angesteuert und weitere Kohlenhydrate nachgelegt.

Gut gestärkt ging es auf die letzten Kilometer nach Leipzig, zu einer Turnhalle im Zentrum der Messestadt. Dort traf wenige Minuten vor uns der Gepäckwagen ein. Nach klasse Teamarbeit auf dem Rad setzte sich diese beim Entladen der vielen Gepäckstück auf dem LKW fort und mit Hilfe einer menschlichen Kette war das Gepäck ratz-fatz entladen.

Erstmal duschen & chillen, denn es dauerte noch mindestens eine Stunde, bis der Rest meines Teams eintrudelte.

Mit einem gemeinsamen Besuch beim VaPiano am Augustusplatz ließen wir die ITF 2012 ausklingen und versprachen uns, 2013 wieder dabei zu sein. Welch unvergesslichen 6 Tage liegen hinter mir!?

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