Pankow – Ückeritz – Usedom v1

»Küstenritt unter idealen Bedingungen«


Nach der doch recht strapaziösen Tour in 2017 fühlte ich mich heute recht gut, den Ritt an die Küste, zum ersten mal in 2018, zu wagen. Das gute Gefühl lag zum Einen an dem 200er vor zwei Wochen, welcher recht gut lief und an den vielen Kilometern, die ich in 2018 schon auf dem Renner abgerissen hatte. Motiviert war ich auch über beide Ohren und die Gruppe die sich zusammenfand bestand auch aus klasse, disziplinierten und geübten Radlern. ❤ was willst Du mehr? Sonnenschein, Temperaturen jenseits der 20°C und leichten Schiebewind? Geschenkt obendrauf!

Drei Minuten zu früh traf ich am Treffpunkt an der bekannten Tankstelle an der Dietzgenstrasse ein. Kurze Begrüßung, Streckeneinweisung, Check ob alle da waren – Antonio und Ivailo fehlten – so ging es erstmal zu neunt auf die Strecke nach Norden.

Es lief super und auch Christian verstand es, dass richtige Tempo zu wählen. Daumen hoch dafür! Nachdem wir Ivailo in Mühlenbeck eingesammelt hatten, rollte Antonio von hinten auf. Er hatte bereits vor der Haustür einen Platten und musste deshalb verspätet aufschließen. Nun waren wir komplett und es ging weiter nach Norden. Heute mal auf etwas modifizierten Wegen nach Lychen. Durch den Wald und über Holperpisten, die in Zukunft aus dem Streckenregister gestrichen werden.

In Lychen dann ein Stück Bienenstich auf die Hand. Mein erstes und einziges Stück Kuchen heute. Was war los, Georg? Ganz einfach: Nach dem addieren der Frühstückskalorien um 4:30 Uhr, wollte ich es mit dem Futtern sachte angehen lassen.

leichtes Kalorien Defizit
leichtes Kalorien Defizit

Nach dem leichten Bienenstich-Vesper ging es weiter, zu unserem nächsten echten Stop in Woldegk. Dorthin brachte uns erneut ein neuer Weg, da der direkte Weg dorthin nicht mehr existent war. Die Strasse war komplett entfernt und wir hätten mindestens drei Kilometer schieben müssen, worauf wir dankend verzichteten.

Nicht verzichten wollten wir jedoch auf die traditionelle Einkehr im Edeka, die mir Milchreis und ein leckeres Brötchen mit Frischkäse bescherte. Gestärkt ging es weiter Richtung Friedland und Anklam. Der nun folgende, seit jeher gehasste Sektor, zeigte sich heute seiner freundlichsten Seite: Leichter Schiebewind drückte uns quasi in Richtung Küste. Der Kavelpass wurde noch mit 90% Einsatz ausgefahren und dann war schon ratz-fatz Anklam erreicht. Nach liquider Stärkung dann auf den letzten 44 km langen Sektor nach Ückeritz.

Heute ohne hupende und nervende Autofahrer. Fantastisch! So ging es zu unserem Tagesziel, auf direktem Weg, in die erfrischenden Wellen der Ostsee!

Fazit: Selten solch eine harmonische Fahrt dort hoch erlebt.  Für mich gab es heute auch keine Hänger-Sektoren oder tiefe-Form-Täler in die ich gefallen bin oder wäre. Es rollte von Anfang bis Ende hervorragend. Das lag sicher auch an der tollen Truppe die sich heute zusammen gefunden hatte. Vielen Dank fürs Mitnehmen!

Brocken-Tour

epischer Samstag im Mai


Schon lange hegte ich den Plan, eine Tour von der Haustür ab zum Brocken im Harz zu fahren. Immer mal wieder wurde sie mir angeboten, jedes mal kam etwas dazwischen oder ich fühlte mich einfach nicht fit genug, diesen doch recht anspruchsvollen Ritt unter meine schmalen Reifen zu nehmen.

Erinnert an die Tour wurde ich dann durch einen Radladen aus dem Friedrichshain, der am Sonntag eine Tour dort hin auf facebook annoncierte. Ich war doppelt motiviert, denn zu viele Rahmenbedingungen stimmten bei deren Tour nicht und so entschloss ich mich, selber was auf die Beine zu stellen. Genug geneigte und geübte Ketten-Schwestern und Brüder kenne ich ja, um sowas in einer übersichtlich grossen Gruppe zu fahren.

Bedauerlicherweise waren durch die Kurzfristigkeit meiner Planung nur Alexander und Herbert Feuer und Flamme den Kanten zum Brocken mit mir zu kauen. Herbert brauchte noch Langstrecken-Kilometer für sein Vorhaben in den U.S.A. und Alex ist die Strecke bereits zweimal gefahren und alle guten Dinge sind bekanntlich Drei.

Freundlicherweise bastelte Alex, aus allen bereits gefahrenen Touren dort hin, einen quasi Referenz-Track, der sogar die Pausenpunkte und Elbfähre enthielt. Nicht nur sehr zielführend sondern auch sehr praktisch.

Die Eckedaten der Tour durfte ich festlegen:

  • Start am Samstag Morgen um 6 Uhr am Auerbachtunnel
  • Aufsammeln von Herbert um 6:40 Uhr am Kreisverkehr in Güterfelde.
  • Zwei Pausen
  • Fahrt auf den Brocken nicht über die selbe Anfahrt wie die Abfahrt

Nicht zu komplexe Vorgaben und Nord-Ost-Wind war auch gebucht. Perfekte Radfahrbedingungen und alle harmonierte 1A und bevor wir uns versahen waren wir auch schon im rund 90 km entfernten Wiesenburg zu unserm ersten Supermarkt-Stop mit Kirsch-Streuselschnecke und Cola-Light.

Überrascht waren wir über die vielen osteuropäischen LKWs die uns, fast Stoßstange an Stoßstange, auf der Bundesstrasse entgegen kamen. Wir vermuteten Maut-Preller-Umgeher. Wir waren genauso unzufrieden mit dem Zustand wie die Anwohner der kleinen Ortschaften, die dadurch viel Lärm, Feinstaub und Gefahr für Leib und Leben 24/7 ertragen müssen. Nicht schön.

Irgendwann war dann auch dieser Sektor hinter uns gelassen und es wurde wieder ruhiger. Zumindest mit den LKWs. Wir fieberten derweil der Elbfähre entgegen. Endlich wieder ein wenig Abwechslung zu der doch relativ monotonen Strecke.

Für Abwechslung sorgte dann der recht interessanten Ort Zerbst, der in vielen Teilen von den Alliierten Truppen im zweiten Weltkrieg aufgrund eines Luftwaffenstützpunktes der Nazis zerstört wurde. Die Ruine der Kirche war erhalte, und von Plattenbauten umgeben, was ein doch recht schräges Bild abgab.

Dann war endlich die Elbe mit Fährverbindung erreicht. 1,50 € Transport-Pauschale brachten uns zum anderen. Drüben angekommen war es dann landschaftlich leider auch nicht viel Abwechslungsreicher, was uns nach gut 120 km den ersten Durchhänger einbrachte. Ein Getränkemarkt wurde angesteuert und in Ermangelung einer kalten Limo, wurde von mir ein kaltes alkoholfreies Radler aus dem Kühlschrank gezogen. Gar nicht schlecht! Meine beiden Mitfahrer genossen ihre Limo und Schorle derweil ungekühlt.

So wurde der Durchhänger kompensiert und es ging rollte weiter Richtung Harz. Viel wichtiger: Quedlinburgs Rewe wartete ungeduldig. Davor aber wieder eine recht lange Durststrecke, die dann aber mit einem perfekt ausgestatteten Rewe belohnt wurde: Voll-Sortiment-Supermarkt, Bäckerei mit Kuchentheke, Toilette, gekühlte Limonade und Energy-Drinks und super freundliche Mitarbeiter – Herrlich: Da schmeckt der Kuchen gleich mal doppelt so gut.

Ich hätte noch bleiben können, aber nun warteten die intensivsten Kilometer auf uns: rund 60 Kilometer feinste Höhenmeter im West-Harz und dann noch hoch, die höchste Erhebung Mittel-Deutschlands. Von den knapp 1.000 Höhenmetern die wir bereits im Sack hatten kamen nun noch mal mindestens 1.000 hinzu. Wie gesagt, nicht auf 200 km, sondern auf 60.

Ein bisschen mulmig war mir schon, aber ich kannte die Region und wusste, das nichts nicht fahrbares dabei sein würde. Neugierig war ich natürlich auch, wie sich alles verändert hatte, war ich doch schon seit ein paar Jahren (leider) nicht mehr hier gewesen.

Die Neugier half mir auch in vielen Sektoren die nun einsetzende Müdigkeit und Erschöpfung zu vergessen, die sich nach fast 10 Stunden im Sattel einstellte.

Irgendwann war dann Schierke erreicht und nun ging es nur noch den Brocken hoch. Das letzte Event des Tages, dann war es geschafft. Mit diesen Gedanken quälte ich mich den Anstieg hinauf und war voller Freude, zwei Energy-Gels  und Adrenalin als nach den steilen Rampen im oberen Teil endlich der Gipfelstein erreicht war. Check: Over & out. Ziel erreicht. Auf die Uhr geschaut: Schon nach 16 Uhr also schnell runter die lange Abfahrt ins knapp 20 km entfernte Wernigerode um noch einen Happen zu essen und den Zug zurück in die Hauptstadt zu erreichen.

Was für ein Tag! Unvergessliche Erlebnisse und die absolute Überzeugung, jede Minute wirkich ge- und erlebt zu haben und mich auf ein kleines oder gar grosses Abenteuer im Alltag begeben zu haben. Ganz gross!

Dank an Alex und Herbert für die tolle Team-Leistung und den Spass den wir gemeinsam hatten! Morgen dann mal kein Rennrad-Fahren…

Radfahren in Berlin

»Erzwungene Vorfahrt endet mit Faustschlag im Gesicht«


Am Samstag wollte ich nur noch schnell zum Frisör in der Wilmersdorfer Strasse, bevor es mit meiner besten Freundin zu einer gemeinsamen Radtour gehen sollte. Soweit, sowenig außergewöhnlich.

Natürlich lege ich solche Strecke mit meinem Stadt-Rad zurück. Die beste Art & Weise von A nach B zu kommen. Besonders bei so schönem Wetter wie heute. Blauer Himmel & Sonnenschein.

Um zur Wilmersdorfer Strasse zu gelangen wählte ich bewusst verkehrsarme Strassen immer im Fokus, den Autofahrern so weit wie möglich aus dem Weg zu gehen. Eine bewährte Taktik im Großstadt-Dschungel.

So fuhr ich auf der Sesenheimer Strasse und wollte in die Schillerstrasse einbiegen. Beides Tempo-30-Zonen. Ich befand mich auf der Vorfahrtstrasse – Rechts vor Links – kennt man – weiss man.

Ein Autofahrer war nun der Meinung, dass er das nicht so genau nehmen müsse, und ich als Radfahrer ja auch mal warten könne, weil es so schön für ihn rolle. So nahm ich es zumindest wahr. Für mich rollte es auch toll, mit dem entscheidenden Unterschied, dass ich mich auf der Vorfahrtstrasse befand. So rollten wir quasi zeitgleich in den Kreuzungsbereich und er drängte mich entsprechend ab, weil er nicht bremsen wollte. War genommen wurde ich. Die Scheiben der Beifahrerin waren unten, es war ja warm. Recht des Stärkeren? Der Schwächere gibt nach?

Ich folgte meiner Spur und bog in die Schillerstrasse ein und klopfte mit der flachen Hand auf seine Seitenscheibe, was die Situation eskalierte.

Der Kraftfahrzeuglenker zog abrupt zu mir rüber und schloss die Gasse zwischen ihm und den parkenden Autos. Seine Frau sprang wie eine Furie aus dem Auto und beschimpfte mich aufs übelste. Passanten kamen hinzu und nahmen Notiz.

Die Frau des Fahrzeuglenkers drang derart in meinen persönlichen Bereich ein, dass ich sie zurück drängte und schubste. Nicht stark, aber um sie entsprechend von mir fern zu halten.

Darauf hin fing ich mir einen heftigen Schwinger mit der Faust des Fahrzeuglenkers auf meine Linke Wange ein.

Meine geliebte Radbrille flog in hohem Bogen durch die Luft und der Fahrer machte noch Anstalten, diese zu zertreten. Diese übertriebene Aggression überraschte mich.

Er drohte mir, mich ja nicht zu entfernen. Um dies zu unterstreichen trat er noch gegen mein Rad.

Ich hatte nicht vor, den Ort des Geschehens zu verlassen. Viele Passanten beobachteten bereits das Geschehen und den Angriff gegen meine Person.

Ich wollte nur noch die Polizei anrufen und um Hilfe bitten.

Dies tat ich auch, benommen von dem Faustschlag teilte ich meinen Standort mit. Passanten baten mir ihre Visitenkarte an und sicherten mir zu, den Tathergang zu bezeugen.

Die Polizei, welche wenig später am Ort eintraf nahm meine Anzeige professionell auf, nicht ohne mich zu ermahnen, dass ich eine Teilschuld (50%!?) an den Vorkommnissen tragen würde, weil ich die Vorfahrt mir nicht einfach holen dürfe. Auch mein Schlag auf seine Scheibe der hinteren Türen wäre nicht ok, was ich natürlich einsah, aber betonte, dass dies keine Sachbeschädigung sei.

Eine anfängliche Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung war später nicht mehr »gefährlich« weil die Polizei es nicht als erwiesen sah, dass der Kraftfahrzeugführer mich mit seinem Fahrzeug abgedrängt hatte. Also nicht seinen PWK als Waffe eingesetzt hatte. Der Polizist meinte noch, dass Amri am Breitscheidplatz den LKW als Waffe genutzt hatte. Hier kann wohl nicht davon ausgegangen werden. Auch von einem gefährlichen Eingriff in den Strassenverkehr wollte er nichts wissen.

Gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr § 315b(1):

Wer die Sicherheit des Straßenverkehrs dadurch beeinträchtigt, daß er 2. Hindernisse bereitet

Ich bedankte mich für seine Einschätzung. War überrascht über die Zurechtweisung.

Fazit: Als Radfahrer niemals auf seine Vorfahrt bestehen. Auch nicht in einer 30er-Zone. Kann leicht mit einem Faustschlag im Gesicht, einer kaputten Radbrille und einem zusammengetretenen Fahrrad enden.

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