Vätternrundan 2011

Lesezeit: 5 Minuten

oder »Eine Strecke nach meinem Geschmack«


Um 3:10 Uhr klingelte der Wecker, den ich zum Glück nicht hörte, weil ich mit Ohrstöpsel schlief. Mein Kettenbruder Christoph hört ihn aber, weckte mich, schlüpfte in seine Radklamotten und machte Frühstück, bevor ich mir das Gesicht gewaschen hatte. Super!

Nach Pulverkaffee, Brötchen mit körnigem Frischkäse und Erdbeermarmelade wurden auch schon die Räder auf Erik’s Passat-Dach verladen und es ging auf die rund 50 km nach Motala. Am Ortsausgang, oh Schreck, fiel mir ein, das mein Garmin Edge 800 noch im Hotel am Ladegerät hing. Kurze Panik, aber Erik war so freundlich umzudrehen und zum Hotel zurück zu fahren. Ein Glück war mir das nicht erst in Motala aufgefallen. Ohne Garmin Edge 800 – geht ja gar nicht.

Die Anreise war in 45 Minuten erledigt und wir parkten im Ort, nahmen die Räder vom Dach und fuhren auf direktem Weg zum 2 km entfernten Startplatz, auf dem schon viele Radler versammelt waren. Das Timing stimmte, denn wir hatten noch gut 20 Minuten, bis wir an der Reihe sein würden, und so blieb genug Zeit für das notorische Starter-Foto.

Der Startplatz war nicht überfüllt, da in Blöcken gestartet wurde. Ca. 150 Fahrer/innen, von den 19.110, wurden im 5-Minuten-Rhythmus auf die Strecke gelassen. Ein Motorrad mit Beiwagen begleitete uns die Stadt hinaus und fuhr moderat vorne weg, so dass nicht schon gleich in der kurvigen Innenstadt das Gebolze los ging. Sehr schön.

Draußen auf der Landstraße sortierte sich dann schnell das Feld und wir wollten, trotz starken Gegenwindes, in der Führung mitmischen. Merkwürdigerweise wollte uns die 12 Mann vom Team-Rot aber nicht mit kreiseln lassen, was sie uns auch unmissverständlich zu verstehen gaben. Egal, denn nun bestand Christophs und meine Aufgabe darin, das restliche Feld von den Kreiselnden abzuschirmen. Interessant zuzusehen, wie die Gäng immer vor uns am rotieren war. Das ging ca. 20 km gut, bis Team Fight-Diabetes mit ca. 30 Mann und einer Frau von hinten aufrollten und die Kreiselnden mächtig durcheinander brachten.

Die erste Verpflegung wurde links rechts liegen gelassen und von nun an im großen Pulk, recht unruhig mitgerollt. An einen Stop war nicht zu denken. Ein Fahrer aus dem Diabetiker-Team verrichtete seine Notdurft sogar während der Fahrt. Dachte sowas kriegt man nur bei der TdF zu sehen.

Nach rund 70 km machte mein Speichenmagnet mal wieder unangenehme Geräusche. Ich entschloss ich mich dem Feld kurz davon zu fahren, und nach einem kurzen Stop wieder ins Feld einzureihen. Christoph hielt auch an und das Feld mit Erik mitten drin, preschte an uns vorbei. Wir versuchten wieder Anschluss zu bekommen – vergeblich. Das schnelle Feld war nicht mehr einzuholen. So ein Mist, denn wir ließen dafür auch die 2. Verpflegung sausen. Nun gab es erst in Jöngköping am südlichsten Punkt nach 100 km was zu futtern.

Dort angekommen wartet Erik schon an der Einfahrt der großen Lagerhalle, in der die Speisen gereicht wurden, auf uns. Die Auswahl war überschaubar und bot typisch schwedisch und britische Nationalkost: Porridge, Köttbullar gebraten mit Preiselbeerkompott und Kartoffelpüree, sowie Milch, Kaffee und kleine Milchbrötchen oder Wasa-Knäcke. Alles keine Speisen, die ein Berliner Radfahrerherz erfreut. Ich machte mir den Preiselbeerkompott in die Milchbrötchen, ne Tüte Milch dazu und war halbwegs zufrieden.

Gestärkt ging es nun in die nächsten beiden Drittel der Runde. Nach passieren der eher unattraktiven Stadt Jöngköping ging es wieder in schöne Wälder entlang des Vättern-Sees. Nun hatten wir Rückenwind und es lief ganz hervorragend. Erik wollte sein eigenes Tempo fahren. Christoph und ich fuhren von nun an leider ohne Erik Ete weiter und machten an den Hügeln ordentlich Druck.

Interessant zu beobachten war, das die Schweden ein Hindernis nicht mit Handzeichen hinter dem Rücken signalisieren, sondern sich kurz und knackig auf den Hintern der Gefahrenseite klopften. Ein Name für diese Aktion war schnell gefunden: Der Schweden-Klaps!

Christoph und ich steuerten, strategisch schlau, die nächste Verpflegung an um Erik wieder einzusammeln, leider bemerkte Erik das erst, als er schon an uns vorbeigefahren war. Nun war unsere neue Mission klar definiert: Ete jagen!

Bei dieser Mission verlor ich leider Christoph, sammelte aber jede Menge andere Fahrer ein, die sich dankend bei mir ins Schlepptau hingen. Ich hatte richtig Spass an der Führungsarbeit und bevor ich mich versah, war ein riesen Schwanz an Rennradlern hinter mir. Dabei lernte ich Johan, den Ironman, mit seinen beiden Buddies kennen, die dankbar für meine ausgiebige Führungsarbeit waren. Bei mir lief es heute wirklich super und ich wollte nicht mehr vorne raus gehen. Der Rückenwind gab mir Schub und die kurzen knackigen Wellen waren genau mein Revier.

Mit Johan blieb ich bis zum Ziel zusammen. Dieser amüsierte sich köstlich, als ich neben dem Tempomachen im Wind auch noch die Kamera zückte und dieses Foto machte. Er beteiligte sich an der Führungsarbeit, was mich sehr freute und entsprechend kurzzeitig regenerieren ließ. Die letzten 50 Kilometer ging es wieder nach Süden und das bedeutete Gegenwind.

Johan verlor bei diesem Kampf leider seine Kettenbrüder und so kamen nur er und ich in den Landkreis von Motala. Immer wieder überholten wir viele Radler die mit ihren Kräften am Ende waren oder Anstiege gar schoben.

Die letzten 10 Kilometer drehten wir noch mal richtig am Rad und beschleunigten oft über 40 km/h. Im Ziel kamen wir grau aber glücklich an.

Dort hatten sich schon großen Mengen an Radlern in der Zielgasse gestaut, denn die Transponder mussten abgegeben werden und auch eine Medaille wurde einem umgehängt.

Das wars dann aber auch schon: Kein Kaltgetränk, keine weitere Verpflegung, Nicht mal ein Erfrischungsgetränke-Stand war in Sichtweite. Für eine Cola-Zero musste ich fast einen weiteren Kilometer mit dem Rad fahren. Schade.

Fazit: Eine herausfordernde Runde über knapp 300 Kilometer im Herzen Schwedens bei herrlichem Sonnenschein und fast wolkenlosem Himmel ab 5 Uhr. Durch die 40-jährige Erfahrung sehr gut organisierte Abläufe und Straßensperrungen. Die Streckenführung ist abwechslungsreich und es gibt viel aufs fürs Auge. Negativ aufgefallen ist mir die relativ einfache Verpflegung, die an den folgenden Stationen nur noch Milchbrötchen, Wasser, Honigwasser und Johannesbeersaft bereit hielt. Für 120 € Startgeld hätte auch ein FInischer-Trikot oder wenigsten eine Getränkeflasche bzw. Zielverpflegung gut gepasst. So steht das Startgeld leider in keinem Verhältnis zur gebotenen Leistung.

Eine Veranstaltung die ich gerne auf meinem Zettel hatte und abgehakt habe.

Auf Friedensfahrt – Kurs 2011 5. Tag Horní Bradlo -> Brno

Lesezeit: 3 Minuten

168,61 km | 2.242 Höhenmeter | 14,6 % maximale Steigung


Die Nacht war erstaunlich komfortabel in der einfachen Unterkunft. Nach kurzer Katzenwäsche machten wir uns zum großen Frühstücksraum auf. Die Auswahl war leider sehr bescheiden: Ein Joghurt, Brot, Honig, Marmelade. Einen Plastikbecher mit gezuckertem Wasser, als Tee deklariert. Kaffee – Fehlanzeige. Dann ein morgendlicher Gruss von Peter Scheunemann »Lasst Euch das Frühstück schmecken!«

Nach dem Frühstück Snack dann schnell Taschen packen, in den LKW verladen und Abfahrt! Lockeres Einrollen durch den Wald, auf fast trockenen Strassen gegen die aufgehende Sonne. Dann die ersten längeren Anstiege hinauf. Anschwitzen. Herrlich!

Aber was war das? Meine Beine machten nicht was der Kopf wollte und »Das Wiesel« freute sich riesig, den »Garmin Schorsch« am Berg abgekocht zu haben. Schon erstaunlich, welche Leistung tagelange Enthaltsamkeit gepaart mit der richtigen Dosis Koffein bei »Das Wiesel« entfalten kann. Sie hatte nämlich noch einen Kaffee ergattern können.

Die Landschaft war, wie schon an den vorherigen Tagen, bezaubernd und die kleine Gruppe harmonierte hervorragend. Es ging entlang eines Stausees und an dem großen Staudamm am Ende des Sees hatte das Orga-Team wieder ein leckeres Buffet für uns vorbereitet.

Nun teilte sich die Strecke erneut und wir bogen Links in den Berg auf die Geniesser Runde ein. Ordentlich Anstiege waren zu bewältigen, die die Gruppe mit viel Schweiss und Freude hochdrückte.

Es war Mittag und über 30° C und so musste ein Zwischenstopp an einer Tankstelle zum Flaschenfüllen, Pepsi und Dr. Pepper trinken eingelegt werden, bevor es zum Vierten und letzten mal in die Berge ging.

Auf dem Kamm erwartete uns starker Gegenwind, der das Weiterkommen nach Brno nicht leichter machte. Ein paar Hügel später, 20 km vor Brno erwarteten uns dann drei Polizeifahrzeuge und eine Abgesandte des Bürgermeisters auf ihrem Tracking-Rad, um uns nach Brno zu eskortieren.

Nach etwa 5 km mit Blaulicht-Führung auf der Landstrasse bogen wir rechts in einen asphaltierten Waldweg ein, der wohl eine Art Trainingsstrecke der Brünner Radsportfreunde war. Wir rollten bei sengender Hitze deren Haus-Berg hinauf. Alle waren wenig begeistert und träumten schon von Dusche und kaltem Pivo.

Peter hatte aber eine weitere Überraschung für uns parat: ein Besuch der Brünner Grand-Prix Strecke, auf der gerade ein Jedermann-Motorradrennen stattfand, wurde noch in den Tagesablauf eingebaut, bevor es endlich auf indirektem Weg zum Hotel ging.

Das Hotel im Zentrum der 400.000 Einwohner Stadt bot uns längst vergessenen Komfort: Dusche, Handwaschbescken und WC auf dem Zimmer, kostenloses WLAN, Betten die schon bezogen waren und Flachbildschirm-TV.

Das leckere Abendessen und unser täglicher Abendspaziergang mit Absacker-Pivo rundeten den erlebnisreichen Tag und die Friedensfahrt 2011 ab.

Fazit: eine sehr gelungene Friedensfahrt 2011. Dem professionellen Einsatz von Christel und Peter war es zu verdanken, das wir dieses Jahr wieder so unbeschwert auf dem Rad unterwegs sein konnten.

Ich habe wieder viele tolle Rennfahrer getroffen und wieder gesehen. Ich freue mich schon sehr auf die Veranstaltung in 2012!

Gesamtkilometer: 787,30 km
Rad gefahren: 29:22:09 h
Gesamthöhenmeter: 7.573 hm
Kalorien verbrannt: 18.841
Höchstgeschwindigkeit: 83,4 km/h
Maximale Steigung: 16,4 %
Durchschnittliche Wattzahl: ca. 166
Durchschnittliche Aufstehzeit: 6:34 Uhr
Kuchenstücke gegessen: 14
Nutella-Vollkornbrot: 25
Banänschen: 4
Pivos 7 – 10
Getroffene Schlaglöcher: 0,4 %
Spass gehabt: 97 %


Auf Friedensfahrt – Kurs 2011 4. Tag Mělník -> Horní Bradlo

Lesezeit: 4 Minuten

160,65 km | 1.573 Höhenmeter | 11,4 % maximale Steigung


Nach dem tschechischen Frühstück in unserem schönen Hotel in Mělník ging es um 8:30 Uhr nach kurzer Streckeneinweisung von Peter Scheunemann raus auf der breiten Ausfallstrasse in Richtung Prag.

Nach wenigen Kilometern hatten wir Streckenteilung und die Mehrzahl der Teilnehmer fuhr leider die kurze Strecke. 25 Radler wollten aber die Geniesser-Runde über Prag wagen. Alexander und ich wurden auserkoren die Gruppe durch den Grossstadt-Jungle zur Karlsbrücke zu führen, da wir die Strecke in unseren Garmin Edge 800
gespeichert hatten und geübt in der Navigation und Gruppenführung sind.

Auf der Karlsbrücke mussten wir unsere Räder schieben, da einfach zu viele Fußgänger die Brücke überquerten. Es bot sich ein herrliches Bild der Prager Altstadt und der DonMoldau. Eine sehr sehr schöne Stadt, welche ich wohl nicht zum Ersten und Letzten mal besucht haben werde!

Der Wenzelsplatz wurde überfahren und der Weg aus Prag heraus, erneut mit Hilfe unserer Garmin Edge
erfolgreich navigiert.

Eine grosse Aufgabe und Verantwortung, solche ein Feld durch eine fremde Stadt zu führen, die nicht nur Alexander Freude bereitete.

Nach weiteren 15 km waren wir dann froh, dass wir die viel befahrene Ausfallstrasse endlich verlassen konnten und auch schon das erste Buffet mit frischen Erdbeeren auf uns wartete.

Nach der recht erholsamen Pause machten die Thüringer Berziegen Druck und wollten flott weiter fahren. Es wurde flott weiter gefahren und keine Gefangenen gemacht was darin resultierte das wir leider einige Mitfahrer/innen verloren und nur noch zu Zwölft unterwegs waren.

Einradfahrer wurden am Wegesrand eingesammelt und Theo von den Berziegen hatte riesen Freude mit seinem abgehangenen PowerBar auf dem Oberrohr.

Es folgten viele kurze, aber nicht all zu steile Anstiege. Ein Terrain das mir sehr liegt und so fand ich mich oft in der Führung wieder.

Auf einer langen Kammstrasse hatte Wolfgang einen unachtsamen Moment, wollte wohl etwas zu essen aus seiner Trikottasche holen und fuhr in diesem Moment seinem Vordermann ins Hinterrad, was zu einem Sturz von ihm führte. Mist! Wolfgang lag regungslos auf dem Asphalt und hielt sich seine linke Schulter. Wir machte uns grosse Sorgen.

Stephan von den Thüringer Berziegen ist, wie sich später herausstellte, Arzt und kümmerte sich ausgezeichnet um die Erstversorgung. Wolfgang hatte riesen Schwein, denn nichts war gebrochen und auch die Abschürfungen sahen auf den ersten Blick nicht wirklich tragisch aus. Die Geschwindigkeit bei der der Sturz stattfand liess schlimmereres erahnen.

Nach reinigen der Wunden und richten der Schalthebel am Lenker ging es weiter zum Zweiten und letzten Imbiss, an dem Kuchen gereicht wurde.

Der Himmel vor uns begann nun bedrohlich dunkel zu werden. Sollte heute meine erste Regenfahrt in 2011 werden? Ja, denn kurz darauf begann es leicht zu nieseln, dann in dicken, fast erbsengrossen Tropfen zu schütten. Bei über 30° C nicht wirklich tragisch, ja fast erfrischend, aber doch ein wenig unangenehm, den heute war Bergankunft und auf den letzten 15 Kilometern mussten noch mal richtig Hügel gebügelt werden.

Eine Weile gelang es mir mit den Thüringer Berziegen mit zu fahren. Ich drückte mir noch ein PowerBar Gel rein, aber es half nichts, die Jungs waren einfach zu schnell für mich und ich musste sie rund 8 km vor dem Ziel leider ziehe lassen.

Uwe, Karsten und der Rest der Gruppe waren noch hinter mir. Zwar ausser Sichtweite aber trotzdem hing mir die Angst im Nacken, ich könnte noch eingeholt werden. Angst verleiht manchmal Flügel. Zum Glück auch heute und ich konnte den Vorsprung bis in die Bungalow-Unterkunft im Wald retten, wo mich die Thüringer Berziegen schon mit lecker Pivo in der Sonne erwarteten.

Fazit: Ein super Tag auf dem Rad. Komplette Reizüberflutung mit dem Abstecher nach Prag, den vielen Hügelpassagen und der herrliche Landschaft in Tschechien.

Leider steht unsere heutige Herberge dazu in krassem Kontrast: Die Bungalows sind extrem einfach und die ganze Anlage wirkt wie in der Zeit des kalten Krieges stehen geblieben. Ich fühlte mich, als hätte ich Europe weit hinter mir gelassen, aber was soll’s: Ich bin ja zum Radfahren hier und nicht im Wellness-Urlaub und in der Natur im Wald schläft es sich einfach am Besten!