Bäckerrunde nach Fehrbellin

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oder »Von 32 auf 0 in 36 Stunden«


Der Blick aus dem Fenster zeigte keine Sonne. Nebel, wohin das Auge blickte. Morgenraureif auf den Autos. Kein einladender Anblick, den ich für eine Rennradtour mit meiner Gang nach Fehrbellin benötigte. Was ich wollte, war die im Radio versprochene Sonne. Aber diese wollte sich sehr lange nicht blicken lassen.

Die Wintersachen, die ich schon in die hinterste Schrankecke bewegt hatte, mussten nun doch wieder hervor geholt werden. Welch ein Ärgernis. Ich hatte mich so auf eine Fahrt, zumindest in Dreiviertel-Hosen gefreut. Aber das sollte mir in Deutschland in diesem Jahr noch nicht vergönnt sein.

So machte ich mich dick eingekleidet um 9:30 Uhr bei leichtem Gegenwind auf den Weg zum Treffpunkt nach Falkensee. Vorher angekündigt hatte ich mich heute nicht, so musste ich pünktlich sein, weil nicht auf mich gewartet werden würde. Nach dreißig Minuten Fahrt begrüßten mich Karsten, Niels, Daphne, Sebastian und Susanne, die heute aber mit dem MTB leider auf einer anderen Runde unterwegs war. Welch Freude!

Weiter ging es in sportlichem Tempo nach Nordwesten zu unserem Ziel, dem Bäcker Schmiedel und seinen Kuchen und Torten in Fehrbellin. Wir fuhren die gleiche Strecke wie schon vor zwei Wochen. Zum Glück war ich nicht der Einzige, dem die niedrigen Temperaturen zu schaffen machten. Tom hatte nur Sommerrennradhanschuhe an. Mich frierte es beim Anblick dieser.

Harmonisch wurden die 70 Kilometer bei knapp über 0°C zum Bäcker abgestrampelt. Nach 2 Stücken Kuchen, einem notorischen Finischer-Foto im Bäcker und einer heissen Schokolade ging es dann bei leichtem Rückenwind zurück in die Hauptstadt.

Eine schöne Tour, bei der sich kurz vor Spandau die Sonne doch noch kurz durch die dichte Wolkendecke blicken ließ. Bei 10°C mehr auf dem TachoThermometer, wäre diese Tour sicher noch schöner gewesen. Aber was nicht war, kann ja noch werden.

Llandundo -> Cape Town -> Simon’s Town

Lesezeit: 3 Minuten

oder „Letzte große Runde in Südafrika“


Eine aktive Woche kann dann doch recht schnell vorbei sein. Heute war der letzte komplette Tag in Llandundo Bay. Dieser musste für eine lange Radausfahrt genutzt werden. Leider hatte der Rest der Gruppe andere Pläne. Nur Holger und Steffen wollten eine kurze Runde fahren, und zeitig wieder zurück sein. Das war für mich keine Option. Zu schön ist hier die Landschaft und Wetter, als dass mir etwas Anderes als Rennradfahren in den Sinn gekommen wäre.

So begleitete ich die Beiden die ersten fünfzehn Kilometer die steile Kloofnek-Road hinauf, dann verabschiedete ich mich auf die rasante Abfahrt hinunter nach Downtown Kapstadt. Dort Rad zu fahren ist nicht sonderlich angenehm. Es wimmelt nur so von Ampeln, Kleinbussen und abgasgeschwängerter Atemluft. Allerdings hatte ich keine Wahl. Ich musste durch den Molloch hindurch, um östlich des Tafelbergs meine Runde gen Süden fahren zu können. Hierfür bot sich die Main-Road an, da diese keine ausgewiesene Schnellstraße war, aber auch keine schmale einspurige Verbindungsstraße. Mit solchen Wegen muss man hier ziemlich aufpassen. Die Randstreifen sind dort sehr schmal und man wird schnell zum Verkehrshindernis, was die Autofahrer mit sehr engem Vorbeifahren quittieren.

Die Main-Road erstreckte sich aber durchgängig zweispurig nach Süden. Die Kleinbus-Taxen und die vielen Ampeln störten schon ein wenig, aber es gab viel zu gucken, wie das Leben so in den Vorstädten pulsiert, die Architektur und auch die Leute links und rechts des Weges. Sightseeing-Workout ist doch was feines!

Nach rund 40 Kilometern erreichte ich Muizenberg. Diesen Ort hatten wir auch schon am Samstag beim Cape Argus Pick N‘ Pay Rennen passiert. Nun wollte ich die Strecke so weiterfahren wie beim Rennen, den sie bot atemberaubende Blicke auf die Küste, aber auch Gegenwind-Deluxe. Ohne wirklich Ahnung von Windstärken zu haben, wage ich zu behaupten das er mir mit 50-60 km/h ins Gesicht blies. Das ganze gewürzt mit Steigungsprozenten war dann eine ganz schöne Herausforderung.

Wieder fielen mir die Schilder am Wegesrand auf, auf denen vor Baboons gewarnt wird. Man solle die Türen schließen und die Fenster hochkurbeln. Wie das auf einem Rennrad geht, habe ich nicht verstanden. Heute war es dann soweit: Ein Lieferwagen hatte einen großen Block mit Speiseeis oder Quark mitten auf der Küstenstraße verloren, über den sich eine ganze Familie von Baboons direkt vor meinem Rad hermachten. Gerne hätte ich das Treiben fotografiert, aber die Warnschilder hinterließen einen bitteren Beigeschmack, der mich weiterfahren ließ.

Am Wendepunkt ging es dann leicht bergab und der starke Gegenwind blies nun von hinten. Welch Freude! Nun konnte ich mit über 40 km/h die Straße entlang brettern und wieder die Sonne genießen. Kurz vor dem Cape Point zog der Himmel nämlich stark zu und es sah fast nach Regen aus. Gemischt mit dem starken Wind ein unheimliches Szenario.

An den Misty Cliffs, einem meiner Lieblings-Orte auf der Tour machte ich kurz Rast, aß einen Riegel und beobachtete die Kite-Surfer, die mit den Wellen spielten. Jetzt war es nicht mehr weit zu meinem Obstladen in Imhofs Gift. Dort wurde wie schon am Dienstag erneut Rast gemacht, eine Banane gekauft und die Flaschen für das letzte große Kino, dem Chapmans Peak, gefüllt.

Dieser wurde auch wieder mit viel Freude befahren und mit Höchstgeschwindigkeit hinunter nach Camps Bay gebretter, bevor der letzte Anstieg nach Llandundo auf mich wartete.

Zufrieden kam ich nach knapp 110 km und 1.300 Höhenmetern in Llandundo an. Eine schöne letzte Tour, leider alleine, was dem Spass aber keinen Abbruch getan hat.

Llandundo -> Kap der guten Hoffnung

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oder „Ab in den Süden“


Die Tour wurde schon am Sonntag nach dem Race geplant. Es sollte mit dem Renner zum Kap der guten Hoffnung gehen. Dieser rund 55 km lange Weg dort runter führt uns auf weiten Teilen genau die Strecke entlang, die wir auch beim Rennen am Sonntag in die andere Richtung befahren haben.

Die Radler-Truppe war recht dezimiert, denn Christian fiel wegen seines lädierten Armes aus, Holger und Werner hatten keine Lust auf Radeln und Michael hatte sich eine Erkältung eingefangen. Zum Glück war Steffen noch motiviert, das Ding zu treten, sonst hätte ich alleine aufbrechen müssen.

Um kurz nach 8 machten wir uns auf den Weg in Richtung Hout Bay und dann zum Chapman’s Peak, einem der vielen Highlight der Strecke runter zum Kap. Oben nahmen wir uns Zeit für ein Erinnerungsfoto und genossen den genialen Ausblick hinunter nach Hout Bay. Dafür war beim Rennen ja keine Zeit. Von Fish Hoek fuhren wir RIchtung Misty Cliffs, eine genial Küstenstraße die fast immer in leichten Sprühnebel gehüllt ist.

Steffen und ich hatten extrem zu ackern, denn es herrschte starker Wind aus Süd. Also von genau da her wo wir hin wollten. Gepaart mit Steigungen kann das schnell demotivierend sein. Zum Glück war ich nicht allein und gemeinsam ließ es sich besser gegen den Wind fluchen.

Etwa 12 km vor dem Kap mussten wir eine Schranke passieren und pro Person 80 Rand (ca. 8 €) Eintritt in den Nationalpark bezahlen. Auch Radfahrer waren von dieser Gebühr nicht ausgenommen. Weiter ging es recht wellig auf den letzten Kilometern zum Kap. Wir fragten uns ob die Mitreisenden mit dem Auto, die eineinhalb Stunden nach uns aufgebrochen waren schon am Treffpunkt, dem Ende der Straße, auf uns warten würden. Plötzlich wurden wir von einem weißen NIssan-Mietwagen hupend überholt – perfektes Timing, der Rest der Mannschaft war fast zeitgleich mit uns am südlichsten Punkt Afrikas.

Dort wurden die Schuhe gewechselt, und unsere beiden Räder angeschlossen um einen kleinen Fussmarsch über die Klippen zum Kap der Guten Hoffnung zu unternehmen. Schon irgendwie merkwürdig mit Radklamotten und Laufschuhen hiken zu gehen.

Nach der Rückkehr zum Auto wurden noch die Flaschen gefüllt und Steffen und ich traten die Rückfahrt an. Nun half uns zum Glück der Rückenwind über die ersten Kilometer.

Wir wählten einen anderen Weg zurück über Simon’s Town, da es dort Pinguine zu bestaunen gab. Weitere 40 Rand wurden fällig um diese in Augenschein nehmen zu dürfen. Über die Bellevue-Road, welche ihrem Namen wirklich alle Ehre machte, ging es weiter. Immer schön entlang der Küste. Nun mussten wir aber links abbiegen um hoch zur Bay-View-Village zu gelangen. Steffen wollte aber keine Berge mehr sehen und verabschiedete sich. Sein Plan war mit einem Taxi zurück nach Llandundo gebracht zu werden.

So musste ich die Heimreise leider alleine antreten, der Weg führte wieder über Misty Cliff nach Fishhook. Leider waren schon seit einer ganzen Weile meine Getränkeflaschen leer und ich freute mich über den tollen Obst- und Gemüseladen, der neben Wasser und Powerade auch noch eine leckere Banane für mich als Wegzehrung übrig hatte.

Frisch gestärkt konnte so der Chapman’s Peak, erneut in Angriff genommen werden. Nun fühlte ich mich schon fast wieder zurück in Llandundo, obwohl noch zig Höhenmeter zu bewältigen waren. Die Fahrt hinauf war wieder ein Traum: Diesmal auf der linken Seite dem Ozean und den tiefen Klippen zugewandt. Atemberaubend!

Zufrieden erreichte ich nach 128 km und 1.747 Höhenmetern wieder unsere HomeBase in Llandundo. Das es so anstrengend werden würde hatte ich vorher nicht geahnt …