Puh. Erstmal tief durchatmen. Dann eine Pause machen, zurück treten und aus der Vogelperspektive drauf gucken. Eigentlich fallen mir erstmal ein paar Kraftwörter wie »Wahnsinn«, »abgefahren« oder »unwirklich« ein.
Das alles überschattende Ereignis fand natürlich auf meiner letzten Ausfahrt, draussen im Oktober statt. Mit den Folgen kämpfe ich immer noch. Jeden Tag, ach jede Stunde, werde ich mindestens einmal dran erinnert.
Da werden natürlich die ganzen Rekorde, Segmente, Leistungswerte, und Jahreskilometer zweitrangig. Das wichtigste ist, daß ich das Sportjahr überlebt habe. Punkt.
Es gab aber noch so viel mehr, auf das es sich zurück zu blicken lohnt.
Ich fasse mich kurz denn, genug ist schon zu den Events geschrieben. Hier einfach die die Liste in zeitlicher Abfolge:
Nachdem die Kloster-Lehnin-Tour von Julia in der vergangenen Woche wegen mangelnder Teilnehmer und Herbstwetters gescheitert war, wollte sie es an diesem Samstag noch einmal versuchen.
Klassischer Treffpunkt: 10 Uhr Tirschenreuther-Ring. Viele bekannte und unbekannte Radler kamen diesmal um bei herrlich mildem Herbstwetter zum Kloster Lehnin zu radeln. Im Oktober in kurz-kurz zu fahren ist schon herrlich!
Hier endet meine Möglichkeit aus der Erinnerung zu berichten. Auch die geschossenen Fotos bringen mich nicht weiter. Keine Erinnerung mehr. Warum dies? Dafür muss ich etwa fünf Stunden auf der Zeitachse nach vorne spulen:
Wir hatten uns wie üblich in Schenkenhorst verabschiedet und getrennt und die Bande fuhr zum Tiri zurück. Ich fuhr alleine weiter über Güterfelde und Kleinmachnow nach Wannsee. Der Willy sollte meine letzte Herausforderung des Tages werden. Um ein Haar wurde es zur letzten Herausforderung meines Lebens.
Wie üblich muss ich diesen geliebten Kilometer-Berg mit „All-in“ gefahren sein. Also „Vollgas“. Oben angekommen war dann Ende. Oder besser gesagt Exodus. Ich fiel vom Rad in den Sand an der Bushaltestelle. Erst entschloss sich mein Herz, die Kammern flimmern zu lassen, dann hörte es auf zu schlagen. Medizinisch nennt sich dies: „Plötzlicher Herztot“. Davon gibt es ca. 65.000 pro Jahr in Deutschland. Eigentlich tödlich. Sofern das Gehirn nicht innerhalb von wenigen Minuten mit Sauerstoff versorgt wird und man wiederbelebt wird, ist es aus.
Mein Glück im Unglück war, daß mir dies genau an dieser Stelle passierte, denn der Willy war zu diesem Zeitpunkt von vielen Radfahrern frequentiert. Darunter auch mindestens zwei Ärzte, die mich sofort wiederbelebten und die Feuerwehr alarmierten. Wie ich später aus dem Polizei-Protokoll erfuhr waren sechs Personen damit beschäftigt, mich wieder ins Leben zurück zu holen, bzw. die Zeit zu überbrücken bis der alarmierte Rettungswagen mit einem Defibrillator elektrische Stöße verabreichen konnte.
Die Ersthelfer haben perfekte Arbeit geleistet: ich bin noch am Leben und außer einem „Filmriss“ der letzten acht Stunden und stark geprellten Rippen geht es mir gut. Danke ihr lieben (noch unbekannten) Lebensretter!
Als ich auf der Intensivstation erwachte hatte ich null Erinnerung. Dieses Schild hing an meinem Bett:
Sie befinden sich auf der Intensivstation
Nach einer Woche im Krankenhaus wurde mir ein Defibrillator der Berliner Firma Biotronik implantiert, der darüber wacht, daß bei zukünftigen Kammerflimmern der Elektroschock automatisch abgegeben wird. Neben den fünf Tabletten die ich aktuell täglich nehmen muss, kann mein Leben ganz normal weiter gehen. Mein Herz hat ja nun einen implantierten „Schutzschild“.
Auf meinem City-Rad war ich gestern auch schon unterwegs und es hat sich toll angefühlt, diese Freiheit und der Wind um die Nase in der milden Herbstsonne. Mal sehen wie es weiter geht!? Mallorca 2019? Eigentlich ganz oben auf dem Wunschzettel! Aber erstmal nix übertreiben.
Nachdem ich gestern einen 100er auf dem Ergometer zurück gelegt hatte, der sich rückblickend recht anstrengend angefühlt hat, wollte ich heute draußen fahren um mal zu vergleichen, wie die Trainingsbelastung sich so Indoor & Outdoor unterscheidet.
Um 8 Uhr war ich aber erstmal hart unmotiviert. Der Balkon Thermometer zeigte 7,6°C und ich wollte nicht wirklich raus um beim Radeln zu frieren. Die Sonne zeigte sich aber und der Himmel war wolkenlos. Also noch ein wenig warten und dann um 10 auf den Renner.
Ein neues Langarm-Trikot motivierte mich ebenfalls, dieses heute zum erste mal auszuführenfahren. Frieren musste ich somit nicht und ich merkte schnell, dass ich eigentlich zu dick angezogen war, denn in der Sonne war es angenehm warm.
Gut, daß ich heute alleine auf die bekannte Runde ging, denn die Beine waren müde und freute mich, niemandem hinterher hetzen zu müssen.
Leckersten Kuchen gab es beim Backwahn nach 67 Kilometern. Dann ging es mit leichtem Schiebewind nach Hause.
Welches Fazit ziehe ich jetzt aus dem Vergleich: »100 km Ergometer gegen 100 km draußen!?«
Was fällt auf?
Die Intensität war drinnen auf jeden Fall höher (87% zu 67%)
Die relative Leistung war dann aber draußen um einiges höher (114 zu 156)
Trainingsbelastung war drinnen höher als draußen (215 zu 174)
Kalorienverbrauch war in etwa gleich – drinnen in der gleichen Zeit etwas höher
Die gewichtete Leistung (NP) war drinnen erheblich höher (241 zu 185 Watt)
Mein Fazit, sofern die beiden Leistungsmesser in etwa gleich arbeiten: Indoor-Training ist bzw. kann intensiver sein, als draußen zu fahren. Sicher kann man das auch umkehren, aber dieser Vergleich zeigt mir dieses Ergebnis. Vielleicht sollte ich mal zum verifizieren erst eine 100 km Runde draußen fahren und dann am nächsten Tag eine drin, um zu erfahren welchen Einfluss meine Erschöpfung auf die Messung hat.
Ideen, Gedanken oder Meinungen dazu? Die Kommentare sind geöffnet!
Es bleibt spannend…
Im Wald bei Sacrow
wolkenloser Himmel
Selfie
Kurz vor Ketzin – klasse Radweg
nix los beim Backwahn
Leckerster Kuchen
Tremmen-Hill
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