ITF 3. Etappe Duchcov -> Mladá Boleslav

165,7 km • 1.687 Höhenmeter

Nach einem einfachen Frühstück in der Pension ging es auch schon los und es musste zu der Strecke geroutet werden, auf welcher der Großteil der Fahrer entlang kamen, welche in Duchcov genächtigt hatten.

Leider hatten diese keine Lust, am vereinbarten Treffpunkt, zu warten und so machten wir uns mit einer kleinen Truppe auf den Weg nach Mladá Boleslav, der Skoda-Stadt.

Nach wenigen Kilometern wurden wir schon durch giftige Anstiege begrüßt und wir mussten richtig losackern um die Hügel zu bezwingen. Dafür wurden wir landschaftlich mehr als entschädigt: Es ging durch herrlich grüne Hügelgruppen auf verkehrsarmen Nebenstraßen mit meist wunderbar glattem Asphalt. Der Garmin leitete uns zielsicher zum ersten Buffet nach 60 km. Dort war auch die Teilung zur „Erlebnisrunde“ welche ca. 40 km länger war und zur „kurzen“ Runde. Wir wollten natürlich etwas erleben und nahmen, wie auch an den anderen Tagen, die angebotene Erlebnisrunde. Es gab auch wirklich keine Überlegung darüber, da ich nur die langen Strecken in meinen Garmin gespeichert hatte.

Diese Erlebnisrunde hatte es wirklich in sich: Vorbei an grotesken Sandsteinfelsen und durch grüne Täler ging es mit Rückenwind zum zweiten Büffet nach 120 km.

Das der Himmel hinter uns immer dunkler wurde beunruhigte uns erst einmal nicht, denn wir waren flott unterwegs und dachten das uns das Gewitter nicht einholen könnte. Weit gefehlt: Nach 151 km also knapp 20 km vor Ende der Etappe erwischte und das Unwetter mit voller Gewalt auf freien Feld. Es blieb nicht einmal Zeit die mitgeführte Regenjacke anzuziehen, der starke Wind blies sie einem aus der Hand und so war ich komplett durchnässt bevor ich die schützende Jacke überhaupt anziehen konnte.

Der Regen wurde innerhalb von wenigen Sekunden so stark, das man die Straße nur noch schwerlich erkennen konnte. Die Regentropfen verwandelten sich in Hagelkörner und der Sturm kam nicht mehr von oben sondern von vorne. Es kam Endzeitstimmung auf und wirkte so bizarr wie wohl nur eine echte Naturkatastrophe wirken kann. So ein Unwetter hatte ich auf dem Rad noch nicht erlebt!

Nach wenigen hundert Metern gefährlichstes, halbwegs geradeaus fahrens mit 5 km/h, entdeckten wir glücklicherweise eine kleine Provinztankstelle am rechten Fahrbahnrand an der wir erst hinter dem Häuschen Windschutz suchten und uns dann ins warme Innere begaben.

Leider wollte die Verkäuferin partout keine Euro oder EC-Karten als Zahlungsmittel akzeptieren und so blieb sie auf Ihren Schokoriegeln sitzen.

Nach einer kleinen Ewigkeit wurde der Regen weniger und die Gruppe wollte die letzten 15 km wagen.

Als Navigator musste ich voraus fahren, was wahrlich kein Zuckerschlecken war: Kälte, peitschender Wind und viele Äste, Stöcke und Bäume auf der Straße die gekonnte umfahren werden wollten.

Die Gegend scheint öfter Unwetter ab zu bekommen, denn innerhalb von wenigen Minuten waren die Anwohner mit Motorsägen aus ihren Häusern gekommen und räumten die Straßen von den umgefallenen Baumstämmen frei.

Nun sollte sich vor Mladá Boleslav noch eine letzte Prüfung ergeben: Der Garmin wollte mich auf eine Serpentine bergab lotsen, welche den kürzesten Weg nach Mladá Boleslav bedeutete, denn sonst müsste man einen großen Umweg in kauf nehmen, da es nur wenig Brücken in den Ort gibt.

Genau an diesem Abzweig zur Serpentine aber war ein Baustellen- und ein Sackgassenschild.

Ich entschied mich, obwohl uns zwei Frauen entgegen kamen, die den Kopf von links nach rechts drehten und mit den Fingern ein klares „Ne“ signalisierten, die Serpentine zu nehmen.

Es empfingen uns aufgerissener Asphalt, der mit Steinen der spitzesten Sorte gefüllt war, Sturzbäche welche über die Straße liefen, abgebrochene Bäume welche quer über der Straße lagen und zu allem Überfluss im Tal ein Baum, der so groß und mächtig über der Straße lag, das man die weitere Straßenführung dahinter nicht mehr sehen konnte. Es half alles nichts: Absteigen, Rad schultern und durch den Baum klettern.

Auf der anderen Seite waren es dann glücklicherweise nur noch wenige Kilometer zu unserem Hotel, welches wir dank Garmin auch zielsicher erreichten.

Nach der obligatorischen warmen Dusche und dem Ausstopfen der Radschuhe mit Zeitungspapier wurde von Uwe und mir der nächste Bäcker zu Fuß angesteuert – der Regen hatte mitlerweile aufgehört – und fast leer gekauft.

Wir spazierten weiter zum Skoda Museum, in welchem um 17 Uhr ein Führung durch Peter Scheunemann organisiert worden war. So lernten wir, daß das Unternehmen 1895 unter dem Namen Laurin & Klement von Václav Klement und Václav Laurin gegründet wurden und Ferdinand Porsche ein Tscheche war.

Nach dem Abendessen, bei dem es als Vorspeise leckere Saumagen-Suppe gab und als Hauptgericht Hühnerbrust mit Reis wurde noch ein Verdauungsspaziergang zur Burg des Ortes unternommen. Da Mladá Boleslav an diesem Abend „Lange Nacht der Museen“ hatte und in diesen freier Eintritt war, schauten wir uns noch das Heimatmuseum des Ortes an und gingen dann müde und geschafft zu Bett.

<http://connect.garmin.com/activity/6109575>

ITF 2. Etappe Pirna -> Duchcov

137,12 km • 1.992 Höhenmeter

Nach einem eher dürftigen Frühstücksbuffet in der Jugendherberge wurden die Rucksäcke gepackt und in den Fiat Ducato verladen. Dann trafen wir auf einem großen Parkplatz unweit der Jugendherberge auf viele weitere direkt angereiste Radfahrer die auch an der Friedensfahrt teilnehmen wollten.

Der Sportreferent der Stadt Pirna war zur Abfahrt auch zugegen und wünschte allen Beteiligten eine gute Fahrt und gutes Gelingen. So ging es dann auch pünktlich um 8:56 h auf die erste richtige Bergetappe.

Die Strecke führte uns entlang der Elbe durch den Nationalpark der Sächsischen Schweiz durch herrliche tiefe Tannenwälder und schöne lange Abfahrten, welche wir auf der Rückreise bergauf „genießen“ durften.

Nach etwa der Hälfte der Tagesstrecke und einer Stärkung am Buffet ging es dann vor Petrovice über die Grenze nach Tschechien.

Die Route führte uns über gut asphaltierte Nebenstraßen hinauf auf einen sehr windigen Bergkamm der uns einige Körner kostete. Die ständigen Anstiegen kombiniert mit starkem Gegenwind zermürbten doch sehr. Zu allem Überfluss waren wir auch zu schnell für die Buffet-Organisatoren und so war dort wo das zweite Buffet sein sollte nichts.

Die Getränkeflaschen waren leer und die meisten Körner verbraucht. Keine guten Voraussetzungen um die nächsten 50 km zu bewältigen. Das Wetter meinte es jedoch gut mit uns, die Sonne schien und am Ende des Kamms war eine lange Abfahrt ins Tal nach Litvinov welche dank des guten Asphalts mit „High-speed“ gefahren werden konnte.

Ich merkte leider sehr spät das meine Truppe: Peter, Christoph, Helge und Uwe nicht mehr da waren und ich mit anderen Fahrern das Feld führte. Ich bekam ein schlechtes Gewissen, denn am Ende der Tagesetappe sollten wir, bedingt durch die hohe Teilnehmerzahl, in einem anderen Hotel untergebracht werden als der Großteil der Gruppe.

Ja sogar in einem anderen Ort. In meinen Garmin hatte ich allerdings nur das Gruppenhotel „Casanova“ programmiert, wo ich die Gruppe auch hinführte. Dort angekommen musste ich feststellen, daß unser Hotel nicht in Duchcov („Duschkopf“) sondern im rund 10 km entfernten Teplice lag. Ohne Navigation und Adressezettel, welcher sich ausschließlich in meiner Trikottasche befand würde es unmöglich für meine Jungs sein das Hotel dort zu finden.

Ich wartete ca. 10 Minuten in Duchcov am Hotel entschloss mich dann aber alleine nach Teplice zu fahren. Erschöpft durch die vielen Höhenmeter und Kilometer und den garstigen Wind, sehnte ich mich nach einer erfrischenden Dusche und Koffein aus einer prickelnden kalten Flasche Cola-Light, welche noch nicht gekauft war.

So erreichte ich dank meines Garmin Edge 705die gut versteckte Pension in Teplice. Das Gepäck von allen Radlern, welche dort nächtigen sollten war schon in Zimmer #1 deponiert. So entschloss ich mich, auch eben dieses zu beziehen.

Nach der wohl verdienten Dusche wollte ich, um mein schlechtes Gewissen etwas zu erleichtern, einen Supermarkt ausfindig machen, um für meine Jungs Wasserflaschen zu kaufen und mir noch das ein oder andere Stück Kuchen zu gönnen. Die Cola-Light und Schokomilch waren natürlich auch noch in meinem Hinterkopf.

So erweckte ich meinen Garmin erneut zum Leben und ließ mir die Lebensmittelmärkte in der Umgebung auflisten: 1,9 km Kaufland & 1,7 km InterSpar. Ich entschied mich für den InterSpar. Ausgerüstet mit dem Garmin in der Hand machte ich mich auf den Fussweg zu dem Lebensmittelmarkt. Mich erwartetet ein gigantischer Super-, ja eher Hyper-Markt der ganz großen Sorte. Es gab alles was das Radler-Herz begehrte und so kaufte ich mir alle gewünschten Lebensmittel. Bezahlt wurde in Euro, Wechselgeld gab es in Tschechischen Kronen. Sehr schön.

Nun wurden die 9 Liter PET-Wasser-Flaschen zurück ins Hotel gebuckelt, wo mich auch schon meine Jungs erwarteten. Sie wurden durch den Veranstalter Peter Scheunemann persönlich mit seinem VW-Golf-Variant von Duchcov nach Teplice zum Hotel geleitet. Also für mich kein Grund ein schlechtes Gewissen zu haben!

Wir machten uns nachdem alle geduscht hatten und das Zeitfahren beim Giro geguckt war, auf die Suche nach einem Restaurant für unser gemeinsames Abendessen. Dieses wurde auch nach wenig Sucherei gefunden und es gab lecker Pivo (Pilsner Urquell) vom Fass und Schnitzen mit Pommes und Palatschinken mit Vanille-Eis zum Nachtisch. Das alles zusammen für unter 10 Euro. Leckeres Urlaubsland.

ITF 1. Etappe Ludwigsfelde -> Meissen

162,6 km • 412 Höhenmeter

Christoph und ich trafen uns um 8 Uhr auf dem Bahnhof Gesundbrunnen um mit unseren Rädern und Rücksäcken den Regionalexpress nach Ludwigsfelde zu nehmen. Auf dem Bahnhofsvorplatz dort sollte der Start zur Friedensfahrt 2009 stattfinden.

Es erwarteten uns schon ca. 20 Rennradfahrer. Die Meisten im etwas gesetzteren Alter von 50+, ja auch Einige mit 70+ wo ich mich fragte, wie diese Herren eine solch lange Tour durchstehen würden. Aber dazu später mehr.

Ein großer Fiat Ducato stand bereit um unsere Rucksäcke aufzunehmen. Vorher gab es noch die obligatorischen Namenschilder für das Gepäck und den Rennradrahmen, sodass nichts verloren bzw. verwechselt werden konnte.

Bei herrlichem Sonnenschein ließ sich dann auch noch der Bürgermeister von Ludwigsfelde blicken und wünschte allen Friedensfahrern ein gutes gelingen und posierte für das Gruppenfoto.

Pünktlich um 9 Uhr ging es dann auch los auf die 160 km lange Etappe nach Meißen. Aus Ludwigsfelde heraus wurde das Feld von trekkingrad-fahrenden Senioren angeführt und ich machte mir ernsthaft Sorgen, wie wir das Tagesziel vor Sonnenuntergang wohl erreichen würden.

Als wir dann das Ortsausgangsschild erreichten und keine Radwege zum Befahren mehr vorhanden waren ging auch die virtuelle Tachonadel nach oben und es pendelte sich eine Geschwindigkeit von 30 km/h ein. Wir fuhren über, aus dem Möwe-Britz-RTF, bekannte Straßen nach Süden. Den ersten Defekt eines Mitfahrers gab es nach ca. 80 km und es wurde ein Schlauch gewechselt und es gab ein wenig Zeit zum sonnen, plaudern und telefonieren.

Nach 55 km wartete auf einer Lichtung Peter Scheunemann mit seiner Frau Christel mit einem Buffet, welches uns leckere Stullen mit vielen variablen Belägen bot, aber auch Äpfel und Bananen wurden gereicht. Container mit Wasser und Tee standen bereit um die, bei manchen geleerten Trinkflaschen, zu füllen. So sieht perfekte Organisation aus!

Die Kilometer rollten sich prima durch herrliche Landschaften und es wurde selten langweilig da ich von vielen „Silberrücken“ zu meinem Garmin-GPS befragt wurde. Ich hatte mir zuhause alle Strecken und Wegepunkte der Tour auf meinem MacBookPro zusammengeklickt und den Garmin die Etappe berechnen lassen. So war sichergestellt das wenn wir den vorgegebenen Weg verlassen würden, uns das Gerät wieder auf den richtigen Weg führen würde.

Je weiter wir gen Meissen kamen, um so kleiner wurden die Ortschaften und um so weniger deutlich wurden die Ausschilderungen. Der ideale Zeitpunkt um den Touren-Guide Detlef zu entlasten und die Führung zu übernehmen.

So erreichten wir nach 3:48 h und 110 km das zweite Buffet. Wir stärkten uns erneut mit Nutella-Stullen und machten uns dann auf die letzten knapp 50 km des Tages nach Meissen.

Die perfekt geplante Route führte uns bei herrlichem Sonnenschein entlang der Elbe: Links der kleinen Nebenstraße Weinberge und rechts der breite Fluss, hinter mir 20 Radfahrer die fleißig folgten: Herrlich.

Unser Ziel in Meissen war der Hauptbahnhof, von wo aus wir mit der S-Bahn nach Pirna, unserem Nachtquartier, fahren wollten. Wir nahmen die S-Bahn, da eine Durchfahrung der Landeshauptstadt Dresden mit so vielen Radfahrern doch ein zu nervenaufreibendes Unterfangen geworden wäre.

Der Garmin Edge 705 führte mich und die mir folgende Gruppe präzise durch kleine Straßen in Meissen geradewegs zum Bahnhof.

Alle waren zufrieden, das es keine Verfahrer, Umwege oder Wendemanöver nach 160 km auf dem Rad gab.

Nach der rund 40 minütigen S-Bahn-Fahrt radelten wir mit unseren Rädern in die etwa 2 km entfernte Jugendherberge, welche unser erstes Nachtquartier werden sollte. Der wenig charmante Plattenbau direkt neben einem Sportplatz erwies sich jedoch als grundsaniert und die Etagenbetten waren recht komfortabel. Nach dem Abendessen – Gulasch mit Serviettenknödeln und Kartoffeln ging es dann auch erschöpft aber zufrieden in das selbst bezogene Etagenbett.

Gegen drei Uhr in der Früh wurde ich durch ein starkes Gewitter geweckt: Es donnerte und blitzte so stark das mir Angst und Bange für die folgende Etappe wurde.