Tirschenreuther-Ring-Runde nach Blankensee

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oder »Extra Nasen ohne Vorahnung«


Da ich gestern alleine im Norden unterwegs war, sollte heute als Kontrastprogramm eine Süd-Gruppen-Runde auf dem Programm stehen. Für solch ein Vorhaben ist die Tirschenreuther-Gruppe von Oleg immer passend.

Sieben gleich-gesinnte fanden sich pünktlich am Treffpunkt ein und nach Begrüßung und Small-Talk ging es auch schon zügig raus nach Süden. Leider weiss man nie was einen an Strecke und Kilometern auf diesen Runden erwartet. Olegs Motto ist »Das besprechen wir am Start«. Für einen Garmin-gesteuerten Radler wie mich, eigentlich ein echtes no-goride auf was ich mich da immer wieder einlasse. Bei endlos großem Sonntag-Nachmittags-Zeitfenster ist solch ein einfach fahren auch wirklich kein Problem, nicht aber wenn mein Rennrad-Zeitfenster um 15 Uhr schliessen muss.

Schon am Zauchwitzer Kreisverkehr wunderte ich mich, dass heute wohl doch die große Runde, weiter nach Süden, gefahren wurde. Als wir dann nach der Pause in Blankensee wieder nach Süden abbogen, um die Eichen-Prozessionsspinner-Wälder zu umfahren, bekam ich schlechte Laune, weil ich vermutete nicht pünktlich zu Hause sein zu werden. Mist.

Kurz vor Heinersdorf navigierte ich dann auch noch falsch und so kam eine zusätzliche Nase hinzu. Nun war aber wirklich Eile geboten und ich musste zurück über Teltow durch die Stadt hetzen. Erfreulicherweise kannte ich aber nun den Heimweg und konnte ihn mir im Kopf in kleine 10-Minuten-Sektoren zerhacken. So wusste ich, das ich es pünktlich bis um 15 Uhr nach Hause schaffen würde. Was für einen Stress am Sonntag!

Pünktlich um 14:55 Uhr kam ich gehetzt aber zufrieden zu Hause an. Nur wenige kleine rote Punkte in den Kniekehlen bleiben als Erinnerung an die Eichen-Prozessionsspinner und dieses sonnige Rennrad-Wochenende.

Nordrunde über Kremmen

Lesezeit: 2 Minuten

oder »Mit Angst durch den Wald«


Heute stand eigentlich die Werbellinsee-Runde auf dem Zettel. Leider regnete es zu meiner Abfahrzeit und so beschloss ich später auf eine Runde zu starten. Das Regengebiet zog zwar schnell durch, aber aufgrund von Berichten von Kettenbrüdern, dass gerade nach Regenschauern die Gefahr besonders hoch ist, sich die kleinen, fiesen, giftigen Haare der Eichen-Prozessionsspinner einzufangen, bestätigten mich in meiner Entscheidung, später zu starten. Schade, aber keinen Bock auf Raupendermatitis an Armen und Beinen.

Allerdings fuhr auch beim späten Start auf trockenen Strassen die Angst ständig mit. Eigentlich bin ich ja kein Hypochonder, aber den Kratze-Mist habe ich noch zu gut aus dem letzten Jahr in Erinnerung. Da wusste ich noch nicht, wo die roten Pusteln herkamen und vermutete eine Sonnen-Allergie. Nun weiss ich, was die Symptome sind, und versuche vorsichtiger zu sein.

Das mir, bei diesem Kaiserwetter, auf dem Weg nach Norden kein Biker entgegen kam oder ich keinen einholte verunsicherte mich nun komplett. Waren die alle in den Ferien, im Freibad, auf der Autobahn – oder hatten alle gar Angst vor dem Eichen-Prozessionsspinner?

Einige Risiko-Wald-Gebiete waren auf meiner Runde zu passieren und irgendwie sahen alle Bäume nun nach Eichen aus. Ich versuchte schnell wieder aus den Wäldern, die ich sonst so liebe, heraus zu kommen.

Das sich meine Beine auf den ersten 50 km schlapp anfühlten half dann auch nicht wirklich. Hinter Börnicke, auf dem Havellandradweg begann es Spass zu machen, aber dann wieder überall diese Eichen!? Können wir hier in Brandenburg nicht mehr Nadelwälder haben? Ständig kreisten meine Gedanken um diese haarigen Viecher.

Dann in Brieselang-Süd endlich ein wenig Abwechslung: Die Strasse war gesperrt und bekam eine neue Decke. Es roch nach frischem Asphalt und ich durfte erst mal etwa 500 Meter mein Bike durch die Wiese schieben, denn die schwarze Masse war noch zu weich und heiss zum Befahren.

Nun folgte ein langer, offener Sektor und ich musste mir keine Gedanken mehr über die Raupen machen. In Priort gab es bei einem Bäcker für 20¢ ein Brötchen und für zusätzliche 5¢ die Flaschen gefüllt – umsonst wollte man das nicht machen. Amüsant.

Hinter Gatow kassierte mich noch ein starker schmaler Radler, mit blassen, unrasierten Waden. Ich hing mich rein und wir wechselten in der Führung, dann zog er mich die Gatower Hügel hoch. Eigentlich war ich schon alle, aber sowas lass ich mir ja dann auch nicht entgehen. Ich bedankte mich höflich und er freute sich das ich gefallen an dem Zug fand. Eine klassische Win-Win-Situation.

Zuhause angekommen war ich dann doch froh, das die Runde zu Ende war. Nun, nach dem Duschen bin ich sehr gespannt wie sich meine Beine und Arme verhalten. Noch juckt nichts. Hoffe das bleibt auch so, ansonsten müssen diese Anschaffungen aus ihren Verpackungen genommen werden, worauf ich gerne verzichten kann:

Mal schauen, was morgen so geht!?

Drei-Länder-Giro 2012

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oder »Drei Pässe – viel Vergnügen«


Heute war der grosse Tag: Es stand der 3-Länder-Giro auf dem Zettel. Der Start-Punkt des Rennens um 6:30 Uhr war perfekt vor unserem Ferienhaus gelegen, so mussten wir nicht einmal fünft Minuten bergab rollen, um in die wartende Radfahrer Menge eintauchen zu können.

Bei knapp über 10°C war ich froh, meine Regenjacke als wärmenden Begleiter eingepackt zu haben. Pünktlich um 6:30 Uhr ging es dann mit einem lauten Startschuss auf die Strecke. Es dauerte nun eine gefühlte Ewigkeit bis wir den Startbogen passieren durften. Gut, dass wir einen Transponder am Vorderrad montiert hatten und so eine ordentliche Zeitnahme gewährleistet war.

Gleich vom Start weg ging es zum Reschen Pass hoch, zur italienischen Grenze. Es ließ sich gut fahren, viele Rennfahrer konnten gleich auf den ersten Metern, ohne selber zu überpacen, überholt werden. Das gab mir ein gutes Gefühl. Ein noch besseres Gefühl bekam ich, als ich, nun schon leicht angeschwitzt, hinter dem See den Pass die Serpentinen runter nach Prad rollte. Die Straße war zwar nicht für den Autoverkehr gesperrt, aber es waren so wenige PKWs unterwegs, dass ich viel im Gegenverkehr fahren konnte und so in der Abfahrt viele Plätze gut machen konnte. Nun waren es noch etwa drei Kilometer nach Prad, zum Einstieg in die Passstrasse hoch zum Stilfser Joch. Niemand wollte hier drücken und so machte ich einen kleinen Zug auf, und bekam prompt Lob von einer schweizer Bergziege hierfür.

In Prad entschwanden dann Christoph und Helge in die 47 Kehren. Nun begann die Sonne zu scheinen und ich freute mich auf den langen, mir unbekannten, Anstieg. Einige rollten an mir vorbei. Ich fuhr mein Tempo und nach folgender, bewährten Bergstrategie: Den Puls nicht zu hoch treiben und immer ein paar Körner überbehalten um einen kurzen Sprint anziehen zu können um an gefährlichen Radlertrauben vorbeiziehen zu können. Immer Sturzgefahren aus dem Weg gehen und das grandiose Alpenpanorama genießen.

Die Kehren wurden weniger, die Luft dünner und der Spass größer. Ich begann mich auf die Labestation, oben am Berg, zu freuen. Leider war diese in der letzten Kehre und ich wollte erst oben anhalten. Also gab es nix für mich. Die Flaschen waren auch noch nicht leer und so konnte ich mich nach kurzem Stop, zum RegenWindjacke überziehen, in die Abfahrt stürzen.

Eine 22 km lange, technisch recht anspruchsvolle, Abfahrt nach Tschierv wartete auf mich. Sogar drei Kilometer Naturstrasse waren dabei. Unten angekommen war wenig Zeit zum verschnaufen, denn es ging gleich wieder den Ofenpass hinauf. Der Anstieg bot so gut wie keinen Schatten und die Mittagssonne knallte auf uns hinunter. Jetzt wieder das richtige Tempo finden und viel Trinken. Oben angekommen fuhr ich erst einmal in einen Stau ein. Ich navigierte mein Bike rechts an den stehenden Autos vorbei und stellte kurze Zeit später den Grund des Stillstands fest: An der Labestation hatten sich Rentnerhorden mit Wanderstöcken und Rucksäcken über unsere Isogetränke her gemacht und blockierten die Strasse. Jetzt nur entspannt durch die Rentner hindurch zirkeln, schnell die Flaschen füllen und erneut in die Abfahrt stürzen war der Plan. Das gelang hervorragend und bevor ich mich versah, fand ich mich hinter einem Linienbus wieder, der die steile Abfahrt hinunter kroch, weil langsame Abfahrer vor ihm die Strasse blockierten. Grosses Kino. Mit einer, nicht ganz ungefährlichen, Aktion passierte ich alle motorisierten und unmotorisierten Tempoverwässerer und fand mich wenig später alleine in der herrlichen Abfahrt wieder.

Wenige Kilometer später staunte ich nicht schlecht, als ich vor mir die Assos-77er Trikots von Helge und Christoph erspähte. Ich war wieder auf die beiden Bergziegen aufgefahren und hatte sie kassiert eingeholt. Ich freute mich diebisch und beschloss die beiden nicht mehr ziehen zu lassen.

In Zernez, in der Schweiz, hielten wir kurz zum Flaschen füllen und verloren dabei den Anschluss an eine schnelle Gruppe. Besonders bitter, denn nun ging es lang durch ein flaches Tal mit Wind und ein schneller Zug in einer großen Gruppe wäre hier von Vorteil gewesen.

Ein schneller Fahrer überholte uns in einer atemberaubenden Pace, wurde aber kurz Zeit später wieder von mir gestellt. In einem kurzen Gespräch verriet er mir, das seine Freundin in der großen Gruppe sei und das wir doch gemeinsam einen Zug aufmachen sollten um wieder heran zu fahren. Ich hatte große Lust drauf, am nächsten Hügel verloren wir beiden aber den Rest der Bande und so wurde ich wieder ruhiger und ließ ihn ziehen.

Durch eine rote Ampel konnten wir etwa 10 harte Kilometer später dann doch wieder zu der großen Gruppe aufschließen und bis Martina recht entspannt mitrollen.

In Martina ging es dann ein letztes Mal in den Berg, die Norbertshöhe hinauf. Helge, Christoph und ich schlossen einen Nicht-Angriffs-Pakt um gemeinsam ins Ziel zu fahren, was wir auch taten.

Fazit: Grosser Radsport und ein klasse Veranstaltung, an dessen Ende Isabell noch den 3. Platz des Giro-Kaisers inklusive Pokal gewann. Sie ist nun 3. Kombi-Wertungs-Kletter-Königin. Das ganze trotz des Sturzes von Dirk, der dann zum Glück doch noch recht glimpflich verlaufen ist.

Gefallen hat mir die tolle Baustellenabsicherung und das Durchwinken der Helfer auch bei roten Ampeln. Missfallen hat mir die lange Wartezeit bei der Startnummernausgabe. Alles in allem eine professionell organisierte Veranstaltung in einer faszinierenden Landschaft, die auf jeden Fall zu empfehlen ist.