Skoda Velothon Berlin 2010

Lesezeit: 6 Minuten

Die Nacht war kurz, denn der Grand Prix Eurovision mit unserer Lena wollte am Vorabend gesehen werden und so kam ich erst um kurz nach 1 ins Bett und der Wecker klingelte gewohnt um 6:29 Uhr.

Ich war sofort hellwach und wagte einen Blick aus dem Wohnzimmerfenster auf die Straße und den nassen Asphalt. Es regnete in kleinen Tropfen und lud mich nicht gerade ein, heute mein erstes Radrennen, den Skoda Velothon Berlin 2010, zu fahren. Ich wog ab und war hin & her gerissen ob ich wirklich zu dem Event antreten sollte.

Mir war wegen der allgemeinen Sturzgefahr bei dieser Veranstaltung sowieso schon ganz mulmig und dann das ganze noch bei Regen? Das konnte nur heiter werden…

Aber ich konnte meine amigos90 ja nicht hängen lassen und so machte ich mich nach einem Power-Frühstück mit einer großen Portion Müsli mit Eiweisspulver und Ovomaltine, mit den Öfis auf den Weg zum Brandenburger-Tor.

Dort traf ich in der Charlottenstraße auf Karin, welche ich freudig begrüßte. Es gab also noch andere Verrückte die bei solch einer Wetterprognose den Velothon fahren wollten. Ich wahr beruhigt und fühlte mich bestätigt die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Zielstrebig erreichte ich gegen 8:40 Uhr den Startblock B, welcher noch nicht wirklich gefüllt war und so konnte ich leicht Zeljo, Mina, Jasper und Oleg entdecken. Sven und Oliver kamen auch hinzu und so war unsere Gang komplett. Wenige Minuten vor dem Start ging dann mein Puls von 80 auf 109 und ich merkte wie die Nervosität in mir stärker wurde. Viele Fragen schossen durch meinen Kopf: Würde ich mit allen mithalten können, auch an den leichten Anstiegen? Würde es gleich richtig zur Sache gehen? Würde das Material halten? Würden die anderen Fahrer so vorausschauend fahren, das es zu keinen Stürzen kommen wird, die mich dann ggf. mitreißen würden? Bei den vielen Gedanken war keine Zeit an das Wetter und die richtige Kleidungswahl zu denken. Das musste einfach passen und passte.

Und plötzlich war es halb zehn und der Startschuss tönte. Aber leider nicht für uns. Die Veranstalter wollten Block A und B gleichzeitig starten lassen, was sie aber nicht taten. So mussten wir uns gefühlte Stunden hinter dem Absperrband gedulden bis uns endlich die neutralisierenden Inlineskater durch das Brandenburger-Tor führten.

Dann gleich eine scharfe Linkskurve und es ging im Affenzahn zum Potsdamer-Platz. Sofort war Unterlenkergriff und großes Blatt angesagt. Es wurde flott, sehr flott gefahren und es bereitete mir keine großen Schwierigkeiten mich einzufinden. Zoo und Ernst-Reuther-Platz wurden passiert. Die Straßen waren perfekt abgesperrt und über unseren Köpfen waren immer wieder Hubschrauber zu hören. Eine tolle Rennatmosphäre war das, die uns die Hauptstadt da bot.

Nun begann ich mir Gedanken über den leichten Anstieg, die Spandauer-Damm-Brücke hoch zu machen. Da fuhr ich oft lang, und kannte den ganz leichten Anstieg schon. Ich war überrascht wie einfach sich solch eine Welle in einer großen Gruppe bügeln lässt. Ich musste aufpassen keinem hinten rein zu fahren, weil ich so viel Schub hatte. Meine Sorgen waren also unbegründet.

Weiter über die Charlottenburger Chaussee. Ein kurzer Blick auf den Garmin verriet einen glatten 44er Schnitt. Voll im Soll. Sauber.

Nun ging es über Kopfsteinpflaster auf die Havelchaussee und ich war erfreut wie diszipliniert diese erste Gefahrenstelle von allen Teilnehmern gefahren wurde: Es kam zu keinen Berührungen oder gar Stürzen. Ich war gut in Fahrt und konnte viele Fahrer auf den beiden Anstiegen überholen. Leider war ich wohl nicht gut genug um an der Gruppe dran zu bleiben welche schon zur A-Gruppe aufgeschlossen hatte und diese bereits nach wenigen Kilometern kassiert hatte. Wir sahen die erste Gruppe nun etwa 400 Meter vor uns, aber keiner in meiner Gruppe, die zum größten Teil, zu erkennen an den Rückennummern, aus geplatzten A-Grupplern bestand, hatte ernste Ambitionen wieder an die andere Gruppe vor uns heran zu fahren. So landete ich recht schnell ganz vorne in diesem Feld und war auf einmal alleine im Wind. Für einen echten Ausreißversuch war ich nicht stark genug, bzw. hatte meine Amigos nicht um mich und von den anderen 30-40 Radlern hatte wirklich so gut wie keiner Lust vorne zu fahren. Die Konsequenz war, das die Reisegeschwindigkeit teilweise unter 35 km/h viel und Sabine vom ESK und ein anderes Mädchen vorne im Wind fuhren. Das geht ja nun mal gar nicht! Die Situation war mir sehr unangenehm und ich ging immer wieder in die Führung, was aber auch nicht wirklich ein dankbarer Job war. Auf der anderen Seite folgten nun viele Kreisverkehre aka Gefahrenstellen und ich war froh nicht in einem Pulk festhängend diese fahren zu müssen.

Das wäre mir am Kreisverkehr in Gütersfelde fast zum Verhängnis geworde, wo ich meine einzige echt brenzlige Situation hatte: Ich fuhr recht weit rechts um dem Getümmel an diesem Kreisverkehr zu entgehen, hatte aber trotzdem noch Radler vor mir, die urplötzlich nach links auswichen. Mir war nicht klar warum und da war es auch schon passiert: Direkt vor mir stand eine etwa 70 cm hoher rot-weiße Kunsstoffpillone, welche ich genau in der Mitte mit meinem Vorderrad anstieß so das diese einen ca. 50 cm weiten Satz machte und ich dann hochkonzentriert einen kleinen Hacken um das Teil zirkeln konnte.

Das alles ohne Abzusteigen oder mich hin zu legen. Ich war erleichtert das nichts passiert war und beschleunigte wieder auf nun erhöhte Reisegeschwindigkeit, denn glücklicherweise hatte uns von hinten kommende eine starke Gruppe kassiert, die vorne nun wieder mächtig am Rad drehte.

Wir erreichten die B101, welche extra für uns gesperrt war. Das war genial mal mit Karacho auf einer Autoschnellstraße mit dem Rennrad unterwegs zu sein. Es hätte aber gerade dort schneller gefahren werden können.

Am Straßenrand stehend neben einem Krankenwagen sah ich Heiko K.. Ich hoffe es ist nichts ernstes passiert!

Der super Aphalt wurde abgelöst durch den rauen Tempelhofer Damm. Aber nun waren wieder Zuschauer an der Strecke die uns Beifall spendeten. Eine tolle Atmosphäre zum Rennrad fahren. Aber keine Zeit zum entspannen. Es musste ständig mit 100% Wachsamkeit gefahren werden, denn vor uns lag schon die nächste Gefahrenstelle: Die scharfe Rechtskurve auf das Flugfeld des Flughafen Tempelhofs. Dort warteten einige Kurven auf uns, bevor es auf die eigentliche Landebahn ging. Nun stand ordentlich Gegenwind auf dem Programm und das Tempo wurde wieder langsamer. Richtig Spass hatte ich dort nicht, denn die Abfahrt war auch wieder eine Gefahrenstelle, weil die Fahrbahn sich verengte.

Weiter über Columbiadamm, Herrmannplatz und Kottbusser Tor zum Schlesischen Tor und über die Warschauer Brücke. Hinter mir hörte ich jemand über die schlechte Streckenführung schimpfen und die Stimme klang vertraut: Es war Sven F. Ich war erstaunt, denn ich vermutete die Amigos weit vor mir.

Das Gröbste war nun geschafft. Meine Beine fühlten sich top an und ich wollte noch ein paar Plätze gut machen, was mir auch gelang.

Beim Abzweig von der Torstraße auf die Friedrichstraße wurde es nochmal eng und vor mir legten sich ein paar Radler lang. Allerdings bei sehr reduziertem Tempo, sodass nicht wirklich große Verletzungen aufgetreten sein können.

Nun ging es entlang des Hauptbahnhofs vorbei an Schloss Bellevue zurück auf die Straße des 17. Juni. Ich dachte das Feld würde nun noch einmal richtig Feuer geben, dem war aber leider nicht so. Überholen konnte ich auch nicht mehr, denn dafür war die Straße einfach zu eng. So erreichte ich das Ziel an dem viele Zuschauer standen und frenetisch Beifall spendeten.

Neben mir war Zeljo, mit dem ich mich freudig abklatschte. Es war geschafft, mein erstes Rennen war ohne Komplikationen absolviert.

Nun gaben wir an den Ständen unsere Transponder zurück und warteten an der Kleiderausgabe auf die anderen Fahrer aus unserem Team die sich alle dort einfanden. Wir mussten recht lange auf Mina und Oleg warten und begannen uns Sorgen zu machen.

Beide kamen recht spät ins Ziel. Mina war gestürzt, hatte sich ihren Brems-Schalt-Hebel dabei abgebrochen konnte nicht mehr ordentlich schalten und zu allem übel platzte ihr dann auch noch ein Reifen auf dem Flugfeld in Tempelhof. Oleg war ein so super Teamleader, das er sie sicher ins Ziel brachte. Ganz großes Kino! Zum Glück hatte sich Mina nicht ernsthaft verletzt und der Schaden am Bike schien größer als an ihr.

Ich traf noch Thomas J. und Karsten A. von den Havellandridern und Karin kam auch sehr erfreut über ihre Leistung ins Ziel.

Von Westen zogen dunkle Wolken auf, die uns in kürze erreichen sollten und so verabschiedeten wir uns vom Velothon 2010 ohne wirklich nass geworden zu sein. Petrus meinte es heute wirklich gut mit uns und ich war froh mich ProRace entschieden zu haben.

Nächstes Jahr wieder!

6 Antworten auf „Skoda Velothon Berlin 2010“

  1. Hallo Georg,
    schöner Bericht und mein Kompliment! Gut, dass es dir nicht so ergangen ist wie Heiko, ich habe gerade seine Mail gelesen. Ärgerlich.
    Schade, dass wir uns nach dem Rennen nicht mehr gesehen haben. Ich hatte euch leider in dem Getümmel nicht entdecken können.
    Bis bald, Andreas

  2. Hey, mein Held!#

    Schön, dass das Wetter gehalten hat und keiner von euch ernsthaft stürzte!!!
    Na, jetzt hast Du Blut geleckt?! Dnanach kann man verstehen, warum man gerne Rennen
    fährt, auch wenn man vorne nichts zu suchen hat – weil´s geil ist!!!
    Schöne neue Woche und liebe Grüße, Yosh

  3. Hey Georg,

    schöner Bericht. Deine Erfahrungen kann ich nur bestätigen. Ich bin alleine gefahren und aus Block C gestartet. Immer wieder musste ich beobachten wie mit unter 35 km/h in Gruppen um die 40-60 Fahrer „dahingedaddelt“ wurde, ohne dass sich eine aktive Führungsarbeit entwickelt hat. Ich bin dann ein paar Mal zu vorausfahrenden Gruppen vorgefahren, was sehr kraftraubend war. Insgesamt hat es aber dennoch Spaß gemacht. Hatte etwas von „Einzelkämpfermanier“….
    Vielleicht nächstes Jahr dann mal gemeinsam?!

    Grüße
    Fabian

  4. Chapeau! Super Leistung und das bei dem Wetter – konnte alle deine Gedanken sehr gut nachvollziehen. Ein echter Gentleman und Sportsman, der sich hinter keiner Frau versteckt und lieber alleine im Wind kämpft. So kennen wir dich. Toller Bericht!

  5. Inklusive deinem Bericht, habe ich jetzt schon verschiedene Eindrücke zum Velothon gelesen – mal aus Zuschauersicht und wiederum Schilderungen von Mitfahrern.
    Jeder Bericht hat seine eigene Note und das ist auch gut so.

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