Wendelstein Rundfahrt 2019

tolle Stimmung am Morgen
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Zwei mal 211 Kilometer


Diese Rundfahrt wollte ich schon seit mehr als neun Jahren unter die Räder nehmen. Damals, im Mai 2010 beim Rhön Marathon schwärmte mir Ralph W. vor, daß er diese Rundfahrt unbedingt mal machen wollen würde. Da mir diese Radfahr-Region auch gänzlich unbekannt ist, ich den Tegernsee unter anderem sehr gerne habe, war ein Start dort obligatorisch

Neun Jahre später war es dann endlich soweit. Ich kombinierte dieses Event mit meinem Vinschgau Radurlaub. So dachte ich zumindest. Das zwischen dem Vinschgau und Bad Aibling,  oder besser Au genau 211 Kilometer lagen, ignorierte ich erstmal geflissentlich.

Der Tag rückte näher und meine Planung war nicht wirklich grossartig: Um pünktlich um 7 Uhr am Start in Au zur Wendelstein Rundfahrt zu sein, müsst ich drei Stunden vorher aus Nauders losfahren. Eine Stunde Puffer für Startunterlagen, Umziehen, Rad-zusammenbauen mussten auch noch einkalkuliert werden. Das bedeutete Abfahrt in Nauders um kurz vor 3 Uhr. Aufstehen also 2:30 Uhr und 2:51 Uhr den Motor starten. Ich bin zwar ein Frühaufsteher, aber das war auch für mich extrem hart. Allerdings entschädigten dann die leeren Strassen über den Fernpass. Ich überholte trotz Morgennebels (eigentlich nicht gut) nur 5 Autos auf dem Weg zur A8 hinter Garmisch. Perfekt! Es lief wie am Schnürchen. Der Fernpass war allerdings um diese Uhrzeit in die Gegenrichtung schon sehr gut besucht befahren, also Auto an Auto. Die ersten, relativ einfachen, 211 Kilometer waren somit im Sack.

Aber nun zum Radfahren und zu den etwas schweisstreibenderen 211 Kilometer: Als ich um kurz vor 6 Uhr in Au eintraf gab es im Vereinsheim zwar Käsestullen zu 2,-€ aber keine Startunterlagen. Ok, also erstmal zurück zum Wagen, Rad aufbauen, umziehen, Schüssel Müsli reinschlingen. Bekannte Routine. Zwar nicht um kurz vor 6 auf dem Rasen des Vereinsheims neben meinem Auto, aber alles klappte erstaunlich gut – wie lange mache ich das schon? Um zwanzig vor Sieben war ich dann abfahrbereit, aber ohne Startnummer. Mit Schrecken sah ich, dort wo vor 40 Minuten niemand stand, die lange Schlange von StarterInnen. Und zu allem Übel hatte die Ausgabe noch nicht einmal geöffnet. Genau mein Humor! Wie sich später herausstellte, versuchte der Veranstalter das Starten so zu entzerren, dass nicht die ganze Meute um Punkt 7 Uhr auf der Strasse war. Auch ok.

In letzter Sekunde füllte ich dann noch meine Trink-Flaschen und schon war ich auf der Strecke in der Nebelsuppe. Zum großen Verdruss wollte zum ersten mal in ihrer Laufbahn bei mir, meine doch sehr geliebte elektronische Schaltung von Shimano nicht Schalten. Genauer: Hinten blieb die Kette einfach auf dem kleinsten Ritzel und beim drücken der Taste piepste es nur. Konnte der Akku leer sein? Der Garmin attestierte ihm gesunde 60%. Erstmal aufatmen. Dann hielt ich an. Wusste allerdings nicht, wie ich die Schaltung resetten könnte. Ich versuchte den Knopf an der Kontroll-Einheit lange zu drücken. Nur die Ruhe bewahren, Schorsch! Nach dem langen Druck auf die Taste funktionierte die Schaltung wieder einwandfrei. Welch Freude!

Nun galt es, eine nicht zu schnelle Gruppe zu finden, die einen sicher durch den Morgennebel und den Sonnenaufgang brachte. Dies gelang erstaunlich einfach.

Nach gut 50 Kilometern dann die erste Kontrolle und Verpflegung. Ich staunte nicht schlecht, was der Veranstalter Ski-Club Au e.V. da alles aufgefahren hatte: Über Rühreier und Tee und Brühe, alkoholfreies Bier in allen Geschmacksrichtungen, Kuchen, Joghurt, Quark, Iso. Wahnsinn! Ich musste mich stark kontrollieren, mich nicht einfach einmal durchzufressen.

Aber der grosse Streckenplan an einer Schautafel erinnerte an die kommenden Herausforderungen in Form von Höhenmetern.

Nun lag ein echter Berg vor uns, der Wendelstein. Erstmal ganz schön steil, weiter oben dann weniger. An den folgenden Abfahrten, dann immer Schilder vom Ski-Club, daß auf die Geschwindigkeit geachtet werden soll und auch für die Autofahrer, eine Infotafel, dass doch bitte auf die Radveranstaltung Rücksicht genommen werden soll. Auch an den gefährlichen Abfahrten saßen unten am Berg immer zwei Sanitäter im Schatten, die auf Stürze hätten sofort reagieren können. Vorbildlich!

Langsam bekam ich wieder Hunger. An meinen eigenen, mitgebrachten Riegel-Vorrat in der Trikottasche wollte ich nicht ran, wusste ich doch, daß es beim nächsten Halt wieder klasse Verpflegung geben würde.

So war es dann auch! Diesmal erwarteten uns Käsespätzle als Spezialität. Diese lagen zwar später ein wenig im Magen, waren aber trotzdem extrem lecker.

Lange schon hatte ich die Überlegung abgeschlossen, ob ich wirklich die Marathon Strecke wagen sollte. Das Wetter war perfekt, die Technik funktionierte einwandfrei, ich hatte am Nachmittag keine Termine und ich wollte unbedingt am Tegernsee entlang radeln, wo ich einige mal als kleines Kind die Winterferien bei meiner Tante Lotte verbracht hatte.

Also am Abzweig stolz geradeaus auf die Marathon-Strecke. Ich klinkte mich in eine flotte Truppe ein, die Käsespätzle wollten verdaut werden und ich wollte auch zeitig den Tegernsee erreichen.

Bad Wiessee war noch viel mondäner als ich es in Erinnerung hatte. Nur extrem teure Autos überall und Leute die ihren Reichtum zur Schau trugen.

Nach dem eiskalten Cola-Spezi-Mix an der Marathon-Verpflegung in Bad-Wiessee ging es auf den letzten großen Sektor. Noch rund 50 Kilometer mit so einigen Höhenmetern, die mich ganz schön beanspruchten. Mein Herz meldete sich das Ein ums Andere mal, daß es dort sei und ordentlich zu tun hatte.

Das Ziel war dann bei herrlich blauem bayrischem Himmel erreicht. Zwischendurch gab es noch einige prognostizierte Tröpfchen von oben, die die ganze Runde aber nicht störten.

Im Ziel dann duschen, Rad verladen und Kontroll-Bändchen gegen eine schicke Windweste eintauschen. Welch tolle Erinnerung an die Veranstaltung in meinem Kleiderschrank!

Eigentlich wollte ich noch eine Wurst essen, ein Wurstsemmel scheint aber in Bayern etwas anderes zu sein, als ich im Sinn hatte und so ging es ohne Abendessen ins Hotel.

Vielen Dank an den Ski-Club Au e.V., der diesen sehr langen Tag zu einem für mich unvergesslichen Erlebnis gemacht hat! Wenn die Anreise nicht so weit wäre, wäre ich jedes Jahr dabei!

und noch ein paar Bilder vom Profi-Fotografen:

 

 

Nauders, Reschenpass, Watles und Langtauferer Tal

Bombastischer Ausblick
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Zwei Pässe – zwei Einkehren – genau mein Ding!


Da für den Nachmittag Regen angesagt war, und die zwei älteren Herren es heute nicht so ambitioniert mochten, planten wir am Vorabend schon eine etwas gemütlichere Runde. Naja, knapp 1.800 Höhenmeter auf 85 km sind für Brandenburger Verhältnisse eher ungemütlich, aber was von den Bergen mitnehmen wollten wir schon auch.

Also erneut auf bekannten Wegen raus nach Italien. Beim Fahren am See träumte ich davon, wie es wohl wäre, wenn dies mein Arbeitsweg wäre!? Würde ich dem schnell überdrüssig werden? Wäre es jedes mal etwas besonderes? Und schon waren wir am Reschenpass der steil hinab nach Burgeis führte. Da war dann erstmal Schluss mit lustig Abfahren. Nun ging es doch recht steil den Berg hinauf. Herbert schwärmte von dem Ort, weil er so gut zum Drachenfliegen geeignet war. Wir mussten allerdings kurbeln um dort hoch zu kommen. Irgendwann war dann auch die Strasse zu Ende, bzw. es existierten nur noch Schotter- bzw. Wanderwege. Auch endete der Track dort. Genau der richtige Augenblick für eine Einkehr in der Sonne! Der Cappuccino schmeckte hervorragend! Danach ging es erstmal mit Hochgeschwindigkeit bergab.

In Burgeis musste dann der Reschen-Radweg wieder hoch gefahren werden. Die 20%, welche Schilder bei der Abfahrt anzeigen waren eindeutig übertrieben. Mein Garmin zeigte maximal 12% Steigung. Dank 11-27 Kassette war das kein Problem und schon waren wir wieder auf der Hauptstrasse nach Graun, wo es erneut in den Berg ging.

Eine schöne Stichstrasse, selten über 8% Steigung und sehr gleichmäßig zu fahren. Ziemlich genau 10 km ins Langtauferer Tal. Am Ende dann eine Sackgasse mit grossem Parkplatz. Trotz der vielen Autos wenig Trubel und eine schöne Einkehr mit tollem Bergpanorama und Apfelstrudel. Urlauber-Herz, was brauchst Du mehr?

Der Heimweg war dann easy-peasy absolviert, nicht nur das Gefälle auch der Rückenwind half, die Pension Tirol flott zu erreichen. Ein herrlicher Urlaubstag auf dem Rad, der jetzt noch mit einem Abendessen beim Stadlwirt vollendet wird.

Nauders, Reschen- & Ofenpass, Engadin und Norbertshöhe

Ofenpass Unesco Weltkulturerbe
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wollte es heute mal wieder wissen


Gestern haben wir wegen des Regens einen Ausflug nach St. Moritz unternommen. Heute hofften wir auf besseres Wetter. Das sah erstmal nicht so aus, denn es hatte die ganze Nacht geregnet und auch zum Frühstück nieselte es noch. Ich ließ mich aber nicht beirren, denn das Regenradar zeigte zum Glück daß, das Wasser von oben gegen 9 Uhr ein Ende haben würde.

Also 9:30 Treffen bei Herbert oben am Reschenpass auf seinem Campingplatz. So konnte ich mich schon ein wenig einfahren. Fein.

Mit Herbert im Gepäck ging es dann den Reschenradweg runter. Ich mag diesen ja sehr, da er durch schöne Natur führt und weit weg vom Autoverkehr trotzdem recht guten Asphalt bietet. Fast ewig bergab geht es auch noch … prima.

Aber irgendwann war dann aber Schluß mit rollen lassen und es ging bergauf. Erstmal ein wenig bis nach Santa Maria, dann immer steiler und auf den letzten Kilometer hoch, das Weltkulturerbe, dann durchgehend 9 bis 10% Steigung. Ich war ganz schön am ackern, denn ich wollte sehen, wie nahe ich meiner Zeit von 2012 kommen würde.

Oben dann warten auf Herbert. Ungewohnt. Er hatte bedingt durch seinen Unfall im Frühjahr allerdings erheblich weniger Trainingskilometer als ich. Also nicht wirklich verwunderlich. Trotzdem ungewohnt – und kalt.

Irgendwann stürzten wir uns dann in die Abfahrt nach Zernez. Dort ging es dann durch das Engadin. Immer leicht bergab. Eigentlich schön zu fahren, wäre da nicht der garstige Gegenwind, welcher uns auf der kompletten Strecke begleitete. Nach vielen Kilometer schwand die Lust am Radeln. Früher™ wäre ich sowas locker gefahren, dachte ich mir.

Dann endlich die Schweizer Landesgrenze und der letzte Anstieg: Die Norbertshöhe. Ein klasse Benchmark um zu sehen was geht und wie ich fahren kann. Eigentlich sagten die Beine nein, aber der Kopf wollte unbedingt nochmal bestimmen und die letzten Körner auf die Passstrasse werfen. Gelungen! Zufrieden und platt bin ich dann den Hügel zurück in die HomeBase herunter gerollt. Später dann Nudeln aufm Camping-Platz. Kohldampf!